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Urheberrecht bei Lateinvokabeln aus Wörterbuch

  1. Neuer Benutzer
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    Standard Urheberrecht bei Lateinvokabeln aus Wörterbuch
    Liebe Leser dieses Beitrags,
    angenommen jemand möchte ein Online Wörterbuch Latein-Deutsch / Deutsch-Latein in's Internet stellen:
    Könnte diese Person Schwierigkeiten bekommen, wenn sie Vokabeln (nur die reinen Wörter mit Übersetzung, ohne Worterklärungen) aus einem gedruckten Wörterbuch abtippt?

    Grundsätzlich würde ich ja annehmen, dass Lateinvokabeln und deren Übersetzung nicht unter das Urheberrecht fallen, da sie ja nicht von dem Verlag des Wörterbuches erfunden wurden, und zumindest immer Sinngemäß gleich Übersetzt werden.

    Wenn das gedruckte Wörterbuch jedoch eine Anzahl von X Einträgen besitzt, und das Online Wörterbuch eben auch genau X Einträge hat (inkl. aller Fehler und Ungenauigkeiten) wäre es ja durchaus möglich nachzuweisen, dass das Online Wörterbuch die Wörter der Druckversion "kopiert" hat. Außerdem haben viele Wörter ja auch mehrere Bedeutungen, so dass es nicht wie Zufall aussehen würde, wenn bei X Einträgen die exakt gleiche Übersetzung gewählt wurde.

    Ich könnte mir vorstellen, dass das Wörterbuch als Ganzes dann doch urheberrechtlich geschützt ist- und zwar nicht der einzelnen Wörter wegen, sondern wegen der "Sammlung" in einem Werk (vielleicht wurden die Wörter in dem gedruckten Wörterbuch anhand von Kriterien ausgesucht...).
    Kennt sich da jemand aus? Danke.

  2. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Urheberrecht bei Lateinvokabeln aus Wörterbuch
    Deine Vermutung ist richtig - die rechtliche Antwort findet sich im UrhG
    UrhG § 4 Sammelwerke und Datenbankwerke
    (1) Sammlungen von Werken, Daten oder anderen unabhängigen Elementen, die aufgrund der Auswahl oder Anordnung der Elemente eine persönliche geistige Schöpfung sind (Sammelwerke), werden, unbeschadet eines an den einzelnen Elementen gegebenenfalls bestehenden Urheberrechts oder verwandten Schutzrechts, wie selbständige Werke geschützt.
    (2) 1Datenbankwerk im Sinne dieses Gesetzes ist ein Sammelwerk, dessen Elemente systematisch oder methodisch angeordnet und einzeln mit Hilfe elektronischer Mittel oder auf andere Weise zugänglich sind....
    Meine Beiträge sind immer (auch wenn es nicht ausdrücklich dabei steht) meine persönliche Meinung und müssen (und werden) nicht immer mit der aktuellen Rechtssprechung oder der Lehrmeinung im Jurastudium / anderen rechtswissenschaftlichen Studiengängen übereinstimmen. Sie sind lediglich meine Auslegung von mir bekannten Gesetzen und Urteilen.

  3. Neuer Benutzer
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    Standard AW: Urheberrecht bei Lateinvokabeln aus Wörterbuch
    Lieben Dank aaky für die schnelle Antwort

    Zitat Zitat von aaky Beitrag anzeigen
    die aufgrund der Auswahl oder Anordnung der Elemente eine persönliche geistige Schöpfung sind
    Wenn keine Besondere Auswahl vorhanden ist (da einfach alle Vokabeln genommen wurden), wie sieht es dann aus?

    Ich glaube nicht, dass eine spezielle "Anordnung der Elemente" vorhanden ist. Denn in dem Wörterbuch wurde eine Tabellenform genutzt die sich aus der Natur der Sache ergibt (Eine Deklination in Tabellenform geht z.B. doch immer von Nominativ Singular, Genitiv Singular ... bis Ablativ Plural. Alles andere wäre ja unsinnig). Sowas ist ja in jedem Wörterbuch so.

    Die Darstellung in dem Online Wörterbuch wäre etwas anders und nicht in einfacher Alphabetischer Anordung betrachtbar. Wörter wären nur nach einer Volltextsuche einzeln, und in anderer optischer Anordnung als in der Druckversion, einsehbar.

    Außerdem würde die Onlinedatenbank nicht nur Wörter dieses gedruckten Buches enthalten, sondern auch Wörter aus anderen (freien, aber weniger umfangreichen) Quellen. Die Anzahl der Einträge wäre nicht identisch- das Onlinewörterbuch wäre umfangreicher.

    Es wären also im Endeffekt "nur" die vielen Wörter die aus dem gedruckten Wörterbuch recherchiert wurden im Wortlaut identisch, nicht die Aufbereitung, das Konzept etc.

    Was ich nicht verstehe: Wenn die fiktive Person von der wir hier reden selber die Wörter für die Datenbank recherchieren würde, müsste die fiktive Person doch auch auf Wörterbücher zurück greifen (woher soll sie sie den sonst nehmen). So hat der Verlag die doch auch bekommen. Wäre es etwa erlaubt aus vielen Büchern eins zu machen, statt nur eins zu verwenden (so muss der Verlag die doch auch bekommen haben)?

    Da die Person eine andere "Anordnung der Elemente" verwendet: liegt der Verstoß gegen das Urhg. "nur" darin, dass die fiktive Person nachweislich bei vielen Wörtern exakt die Übersetzung verwende wie die gedruckte Vorlage? Wenn ich das richtig verstehe ist das gedruckte Wörterbuch geschützt weil aus vielen möglichen Übersetzungen eben genau die gewählt wurden die verwendet werden.

    Sorry, dass ich nochmal nachhake, ist nur halt sehr sehr wichtig für die fiktive Person.
    Geändert von MartinK (05.01.2009 um 22:07 Uhr)

  4. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Urheberrecht bei Lateinvokabeln aus Wörterbuch
    Wenn keine Besondere Auswahl vorhanden ist (da einfach alle Vokabeln genommen wurden), wie sieht es dann aus?
    Alle ist auch eine Auswahl. Simple Mengenlehre
    Ich glaube nicht, dass eine spezielle "Anordnung der Elemente" vorhanden ist. Denn in dem Wörterbuch wurde eine Tabellenform genutzt die sich aus der Natur der Sache ergibt (Eine Deklination in Tabellenform geht z.B. doch immer von Nominativ Singular, Genitiv Singular ... bis Ablativ Plural. Alles andere wäre ja unsinnig). Sowas ist ja in jedem Wörterbuch so.
    Wörterbücher, Lexika und zB. Telefonbücher, deren Zusammenstellung eine Menge Arbeit macht, sind in ihrer Form durch diesen Passus im Gesetz vom "Abkupfern" geschützt.
    Die Darstellung in dem Online Wörterbuch wäre etwas anders und nicht in einfacher Alphabetischer Anordung betrachtbar. Wörter wären nur nach einer Volltextsuche einzeln, und in anderer optischer Anordnung als in der Druckversion, einsehbar.
    Dann wäre es ja nicht "wäre es ja durchaus möglich nachzuweisen, dass das Online Wörterbuch die Wörter der Druckversion "kopiert" hat."
    Wenn die fiktive Person von der wir hier reden selber die Wörter für die Datenbank recherchieren würde, müsste die fiktive Person doch auch auf Wörterbücher zurück greifen (woher soll sie sie den sonst nehmen).
    Es geht hier um die Auflistung, die Anordnung, die Sortierung ... Nicht die Bedeutung der Wörter. Das ist in der Regel nicht durch Urheberrecht geschützt (es sei denn, es sind eigenwillige "Interpretierung" - zB. das "Wörterbuch der Jugend" o.ä.)
    Da die Person eine andere "Anordnung der Elemente" verwendet: liegt der Verstoß gegen das Urhg. "nur" darin, dass die fiktive Person nachweislich bei vielen Wörtern exakt die Übersetzung verwende wie die gedruckte Vorlage? Wenn ich das richtig verstehe ist das gedruckte Wörterbuch geschützt weil aus vielen möglichen Übersetzungen eben genau die gewählt wurden die verwendet werden.
    Genau das. Anderes Beispiel: Sportergebnisse. der Spielstand ist nicht geschützt, aber wohl die Art der Darstellung
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  5. Neuer Benutzer
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    Standard AW: Urheberrecht bei Lateinvokabeln aus Wörterbuch
    Wow aaky, schon wieder danke für die schnelle Antwort!

    Zitat Zitat von aaky Beitrag anzeigen
    Dann wäre es ja nicht "wäre es ja durchaus möglich nachzuweisen, dass das Online Wörterbuch die Wörter der Druckversion "kopiert" hat."
    Also (abschließend ) angenommen unsere fiktive Person erstellt nun ein Online Wörterbuch das völlig anders aufgebaut ist (nur Volltextsuche nach einzelnen Wörtern, statt alphabetisch angeordneten Listen + andere Darstellungsform- zum Teil eher Fließtext anstatt Tabellenform, und wenn Tabellenform dann in anderer Form und Anordung), wäre es dann (nach Deiner unverbindlichen Einschätzung) ein Problem, wenn ein Teil des Wortschatzes (ein paar Tausend Wörter) exakt gleichlautend mit einem gedruckten Wörterbuch ist (aus welchem quasi recherchiert wurde)? Also unabhängig von der Darstellungsform nur die reinen Übersetzungen.

    Nachweisbar wäre es ja evtl. schon, wenn das gedruckte Wörterbuch z.B. Fehler enthält, oder einfach schon dadurch, dass der exakte Wortlaut bei allen Wörtern vorliegt. Der Wortlaut der Wörter wäre exakt gleich, würde sich jedoch auch von allen weltweit sonst erhältlichen Latein Wörterbüchern kaum unterscheiden. Die meisten Übersetzungen würden mit denen der meisten anderen Wörterbüchern übereinstimmen. Bei einigen könnte es unterschiedliche Wortlaute geben, die sinngemäß jedoch gleich wären. Bespielsweise könnte es in einige Fällen "Feind" heißen wärend andere Wörterbücher "Gegner" gelistet haben.

    Tut mir leid, dass ich so energisch nachhake
    Gesetzestexte zu verstehen fällt mir schwerer als mir vorzustellen Schrödingers Katze wäre gleichzeitig tot und lebendig.

  6. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Urheberrecht bei Lateinvokabeln aus Wörterbuch
    Meiner Meinung nach wäre das kein Problem, denn es müsste ja der Nachweis erbracht werden, dass das WQerk als solches kopiert wurde. Und das wäre meines Erachtens kaum möglich.
    Gesetzestexte zu verstehen fällt mir schwerer als ...
    Gesetztestexte braucht man nicht zu verstehen, man muss sie interpretieren können Und da Interpretation immer subjektiv ist kommt beim Recht immer was anderes raus.
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  7. Neuer Benutzer
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    Standard AW: Urheberrecht bei Lateinvokabeln aus Wörterbuch
    Danke für alles aaky!

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