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Abzocke bei Urheberechtsverletzung?

  1. Neuer Benutzer
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    1
    Standard Abzocke bei Urheberechtsverletzung?
    Hallo,
    folgendes Szenario:
    - Angenommen man verwendet versehentlich Bilder aus dem Internet für eine Ebayversteigerung.
    - Und weiterhin angenommen der Versteigerer erfährt erst durch die Streichung des Angebots von der Urheberrechtsverletzung.
    - In der Folge erkennt man, dass der Geschädigte (eine Firma mit An-und Verkauf) erst längere Zeit abgewartet hat, um dann erst einen Anwalt mit Abmahnung und Schadensersatzanspruch einzuschalten.
    - Weiterhin sind die betroffenen Bilder aus einem Archiv und nicht Gegenstand eines aktuellen Verkaufs der betroffenen Firma

    Fragen:
    Hätte sich der Geschädigte sofort beim Ebay-Mitglied melden müssen, um einen eventuellen Schaden abzuwenden?
    Ist überhaupt ein Schaden entstanden, wenn das Bildobjekt in keinen Verkaufszusammenhang der betroffenen Firma steht - es kam ja aus Archivdaten?
    Kann man bei Urheberrechtsverletzungen sofort, bzw. nach Ablauf geraumer Zeit, einen Anwalt einschalten, obwohl man die Möglichkeit hatte, vorzeitiger den vermeintlichen Schaden abzuwenden?

    Würde mich über anregende Diskussionen freuen.

  2. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Abzocke bei Urheberechtsverletzung?
    - Und weiterhin angenommen der Versteigerer erfährt erst durch die Streichung des Angebots von der Urheberrechtsverletzung.
    Das kann nicht sein, der Verkäufer hätte es wissen müssen, als er die Bilder verwendet hat. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
    Hätte sich der Geschädigte sofort beim Ebay-Mitglied melden müssen, um einen eventuellen Schaden abzuwenden?
    Kommt darauf an. Wichtig ist der Zeitpunkt der Kenntnis der Urhebrrechtsverletzung. Wenn der Urheber es erst später mitbekommt kann er dann immer noch dagegen vorgehen. Es müsste durch den verletzer bewiesen werden, dass der Urheber schon vorher Bescheid wusste (nicht hätte wissen können).
    Ist überhaupt ein Schaden entstanden, wenn das Bildobjekt in keinen Verkaufszusammenhang der betroffenen Firma steht - es kam ja aus Archivdaten?
    Ja, allein durch die Verwendung. Einfach mal nach Schadensersatz und Urheberrecht im Forum suchen.
    Kann man bei Urheberrechtsverletzungen sofort, bzw. nach Ablauf geraumer Zeit, einen Anwalt einschalten, obwohl man die Möglichkeit hatte, vorzeitiger den vermeintlichen Schaden abzuwenden?
    Kann man. Allerdings müsste nachgewiesen werdne, dass der anderer vorher Bescheid wusste. Allein das Können reicht nicht aus (siehe oben). Ein Urheber ist nicht verpflöichtet, jeden Tag das Internet nach Urhebrrechtsverletzungen abzugrasen, das wäre totaler Schwachsinn.
    Meine Beiträge sind immer (auch wenn es nicht ausdrücklich dabei steht) meine persönliche Meinung und müssen (und werden) nicht immer mit der aktuellen Rechtssprechung oder der Lehrmeinung im Jurastudium / anderen rechtswissenschaftlichen Studiengängen übereinstimmen. Sie sind lediglich meine Auslegung von mir bekannten Gesetzen und Urteilen.

  3. Super-Moderator
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    Standard AW: Abzocke bei Urheberechtsverletzung?
    Angenommen man verwendet versehentlich Bilder aus dem Internet für eine Ebayversteigerung.
    Völlig egal, zumal es m.E. hier gar kein "Versehen" gibt, denn es gibt immer einen Urheber der Bilder und der hat eben die Rechte am Bild.

    Und weiterhin angenommen der Versteigerer erfährt erst durch die Streichung des Angebots von der Urheberrechtsverletzung.
    So ist das meistens...

    In der Folge erkennt man, dass der Geschädigte (eine Firma mit An-und Verkauf) erst längere Zeit abgewartet hat, um dann erst einen Anwalt mit Abmahnung und Schadensersatzanspruch einzuschalten.
    Wie der Rechteinhaber seine Rechte wahrnimmt, ist meiner Ansicht völlig egal. Er kann natürlich freundlich per Email o.ä. darauf hinweisen, muss er aber nicht.

    Weiterhin sind die betroffenen Bilder aus einem Archiv und nicht Gegenstand eines aktuellen Verkaufs der betroffenen Firma
    Ob Archiv oder aktuell, ist ebenfalls unerheblich, ein Urheberrecht ist in beiden Fällen anzunehmen.

    Hätte sich der Geschädigte sofort beim Ebay-Mitglied melden müssen, um einen eventuellen Schaden abzuwenden?
    m.E. Nein, denn der Schaden ist ja schon vorhanden.

    Ist überhaupt ein Schaden entstanden, wenn das Bildobjekt in keinen Verkaufszusammenhang der betroffenen Firma steht - es kam ja aus Archivdaten?
    Ja, denn der "Schaden" kann hier z.B. in einem nicht erworbenen Recht liegen und damit in der nicht erfolgten Zahlung von Lizenzgebühren. Der Schaden berechnet sich hier entsprechend der Lizenzanalogie (einfach mal im Forum nach suchen, habe ich hier schon öfters genauer beschrieben... oder eben bei Wikipedia schaun, da stehts auch drin)

    Kann man bei Urheberrechtsverletzungen sofort, bzw. nach Ablauf geraumer Zeit, einen Anwalt einschalten, obwohl man die Möglichkeit hatte, vorzeitiger den vermeintlichen Schaden abzuwenden?
    Wie schon gesagt, der Schaden liegt meiner Ansicht schon in der Verwendung des Bildes selbst und was passiert ist, kann man bekanntlich nicht mehr abwenden.
    [URL="http://forum.e-recht24.de/search.php"]hier klicken für die Forensuche[/URL]

    Dies ist keine Rechtsberatung, sondern nur eine persönliche Meinung

  4. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Abzocke bei Urheberechtsverletzung?
    Zitat Zitat von Snackbaer Beitrag anzeigen
    - Angenommen man verwendet versehentlich Bilder aus dem Internet für eine Ebayversteigerung.
    Wie verwendet man "versehentlich" Bilder aus dem Internet für eine Ebayauktion...?

    Man muß die Bilddateien lokal abspeichern, eventuell bearbeiten (Größe), und anschließend wieder hochladen. Das passiert doch nicht "versehentlich", so wie man vielleicht versehentlich im Umdrehen eine Kaffeetasse vom Tisch stößt, weil man nicht gesehen oder vergessen hat, daß die da steht...

    - Und weiterhin angenommen der Versteigerer erfährt erst durch die Streichung des Angebots von der Urheberrechtsverletzung.
    Soll vorkommen.

    - In der Folge erkennt man, dass der Geschädigte (eine Firma mit An-und Verkauf) erst längere Zeit abgewartet hat, um dann erst einen Anwalt mit Abmahnung und Schadensersatzanspruch einzuschalten.
    "Längere Zeit" zu warten, beseitigt die Möglichkeit, eine "einstweilige Verfügung" zu erwirken, weil damit die "Dringlichkeit" fehlt, die es für eine eV braucht. Zivilrechtliche Ansprüche betreffend Schadensersatz aus einer Straftat (hier: Urheberrechtsverletzung) verjähren aber erst nach 30 Jahren, wenn ich richtig erinnere... Jedenfalls ist die Verjährungsfrist für die Ansprüche in solchen Fällen deutlich höher als sonst.

    - Weiterhin sind die betroffenen Bilder aus einem Archiv und nicht Gegenstand eines aktuellen Verkaufs der betroffenen Firma
    Das hat weder eine Auswirkung auf ihren urheberrechtlichen Schutz noch ggf. auf einen Wettbewerbsverstoß.
    Hätte sich der Geschädigte sofort beim Ebay-Mitglied melden müssen, um einen eventuellen Schaden abzuwenden?
    Der Schaden entsteht durch die unzulässige Verwendung, und zwar in der Sekunde, in der die Verwendung beginnt.

    Wenn der Urheber/Rechteinhaber nach Kenntnisnahme der Urheberrechtsverletzung erstmal 6 Monate wartet, um das Honorar nach Schadensersatzanalogie in die Höhe zu treiben, dann könnte das relevant werden. Irgendwann mag man das vielleicht als "stillschweigende Zustimmung" werten - wobei selbst das letztlich wenig ändern dürfte, denn auch mit Zustimmung des Urhebers ist für die Nutzung eines Fotos ja ein "angemessenes Entgelt" fällig. Auf das hat der Urheber einen gesetzlichen Anspruch. (§32 UrhG)

    Ist überhaupt ein Schaden entstanden, wenn das Bildobjekt in keinen Verkaufszusammenhang der betroffenen Firma steht - es kam ja aus Archivdaten?
    Durch eine Urheberrechtsverletzung entsteht immer ein Schaden, nämlich diese. Bei der unerlaubten Veröffentlichung eines Fotos wird im Wege der sogenannten "Lizenzanalogie" das Honorar als zustehender "Schadensersatz" angesetzt, das unter "vernünftigen Marktteilnehmern" vereinbart worden wäre, wenn dafür rechtmäßig eine Lizenz erworben worden wäre.

    Oder einfacher gesagt: der Urheber hat immer Anspruch auf das "marktübliche Honorar" für das Foto und die jeweilige Verwendung für dieses Foto. Ein Foto bei Ebay für eine Auktion zu verwenden, ist die Verwendung des Fotos für Werbezwecke - das ist schon mal generell teurer, nach "marktüblichen Honoraren".

    Kann man bei Urheberrechtsverletzungen sofort, bzw. nach Ablauf geraumer Zeit, einen Anwalt einschalten, obwohl man die Möglichkeit hatte, vorzeitiger den vermeintlichen Schaden abzuwenden?
    Man kann sofort einen Anwalt einschalten - weil sofort ein Schaden entsteht.

    Üblicherweise fordern kann man:

    - Auskunft über den Umfang der erfolgten unberechtigten Nutzung des Fotos
    - Honorar für die Nutzung im Wege der "Schadensersatzanalogie"
    - Einen Aufschlag von 80-100 Prozent auf dieses Honorar wegen fehlender Urheberbezeichnung (aktuelle Rechtsprechung zu §13 UrhG)
    - Ersatz der Anwaltskosten (Abmahnung etc.)
    - Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungsverpflichtung, zukünftig auf die unzulässige Nutzung von Fotos des Gegners zu verzichten
    - Schadensersatz für weiteren, bezifferbaren materiellen Schaden, der durch die unzulässige Nutzung des Fotos entstanden ist (das kann z.B. der Fall sein, wenn ein Dritter vom beabsichtigten Kauf eines Nutzungsrechtes für das Foto zurücktritt, weil er gesehen hat, daß dieses schon "geklaut veröffentlicht" wurde)

    Theoretisch käme nach neuester UrhG-Fassung eine "Deckelung" der Anwaltsgebühren auf 100 Euro infrage, wenn es sich um einen "einfach gelagerten Fall" ohne gewerblichen Hintergrund handelt. Was "einfach gelagerte Fälle" sind, dazu gibt es noch keine Rechtsprechung, aber ich würde mal davon ausgehen, daß allein die Ermittlung des angemessenen Honorars für die Nutzung so aufwendig ist, daß nicht mehr von einem "einfachen Fall" gesprochen werden kann.

    Dank der jüngsten BGH-Rechtsprechung kann man nämlich nicht einfach die "MfM-Honorarliste" ("Mittelstandsvereinigung Foto-Marketing", ein Dachverband von Fotoagenturen in Deutschland) als Anhalt nehmen. Vielmehr muß in jedem Einzelfall genau geprüft werden, wie hoch ein "marktübliches Entgelt" für die Nutzung des Fotos gewesen wäre...
    Geändert von TomRohwer (29.10.2008 um 14:10 Uhr)
    Was ich schreibe, ist nicht als "Rechtsberatung im Einzelfall" zu verstehen.

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