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Pflichtablieferung von Medienwerken an die Deutsche ********bibliothek

  1. Neuer Benutzer
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    Standard Pflichtablieferung von Medienwerken an die Deutsche ********bibliothek
    Hallo,
    seit gestern steht dieser Artikel bei heise im News-Ticker:
    Verordnung zur Pflichtablieferung von Netzpublikationen tritt in Kraft

    [url]http://www.heise.de/newsticker/Verordnung-zur-Pflichtablieferung-von-Netzpublikationen-tritt-in-Kraft--/meldung/117817[/url]

    Wenn es so sein sollte, wie es sich in dem Artikel liest, ist das ein Hammer: Nahezu jeder Webseitenbetreiber müßte den kompletten Inhalt aufbereiten ("möglichst als PDF"...) und an die ********bibliothek einreichen. Diese Verodnung tritt morgen(!) in Kraft, außer gestern bei Heise war davon in keinem Medium je etwas davon zu hören bzw. zu lesen. Zuwiderhandlungen sollen mit 10000 Euro bestraft werden.

    Diese Verordnung soll für alle Seiten außer "rein privaten" gelten, vobei mal wieder völlig im Unklaren gelassen wird, was "rein privat" wieder bedeutet. Wird wohl wie bei der Impressumspflicht laufen, d.h. praktisch alle Seiten sind betroffen.

    Wenn jetzt jemand eine im umgangssprachlichen Sinn private Seite betreibt (Präsentation der eigenen Sammlung incl. Erläuterungen, alles eigene Inhalte, wird ständig aktuell gehalten, aber keinerlei Verkauf, keine Bannerwerbung), für die schon eine Impressumspflicht besteht, muß der nun auch den Inhalt an die ********bibliothek einreichen? Wie soll er das aufbereiten, wenn er nur den kostenlosen Acrobatreader hat, nicht jedoch die kostenpflichtige Software, um PDFs selbst erstellen zu können (z.B. Acrobat Destiller). Wer ersetzt die Kosten für extra anzuschaffende Tools, Traffikkosten und für den erheblichen Zeitaufwand? Muß man nach jeder Aktualisierung seiner Seite diese auch einreichen? Hinzu kommt, daß nicht jeder behördlichen Seiten traut und ansurft, also müßte man deshalb jedesmal in ein Internetcafe gehen. Ebenso beherrscht nicht jeder den Upload per FTP oder hat keine Tools dafür und die Datenmengen sind für Email fast immer zu groß.

    Wie sieht das mit dem Urheberecht des Seitenbetreibers aus, was darf die ********bibliothek außer archivieren noch alles mit den Inhalten tun? was passiert mit den Daten aus dem Impressum (in robots.txt ist z.B. das Impressum für Suchmaschinen gesperrt, um die Daten nicht ungehemmt zu verbreiten)?

    Hier habe ich noch nichts zu dieser Verordnung finden können, ich wäre froh, wenn man hier etwas genauere Informationen bekommen könnte. Warum kann sich die ********bibliothek nicht einfach die Seiten selber downloaden und archivieren, es gibt sogar Seiten, die genau das tun (z.B. archive.org) . Reicht evtl. eine kurze Nachricht mit der URL seiner Seite und die können sich den Inhalt dann selber ziehen? In PDF ist die Seite ja sowieso nicht mehr original (Verlinkungen innerhalb der Seite gehen ja auch nicht mehr), warum nicht direkt als HTML speichern, so wie die Seite auch vorliegt (das benötigt wohl auch weniger Speicherplatz und das Format ist bestimmt dauerhafter lesbar als PDF, Browser gibt es viele und alle können die Seite lesen)? Ich würde jedenfalls den Inhalt als Screenshots graphisch in ein gigabytegroßes PDF packen und als gebrannte DVD per Post schicken (Einschreiben mit Rückschein, damit ja nicht der Erhalt bestritten werden kann), wenn der Unsinn tatsächlich so durchgezogen werden soll...

    Gruß
    KRK

  2. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Pflichtablieferung von Medienwerken an die Deutsche ********bibliothek
    Übliche heise-Panik (nicht ohne Grund heißen die die "Bild-Zeitung des Internets").
    Und die Erklärung steht doch im Artikel selbst
    Die DNB strebt nach eigenen Angaben an, die Archivierung auch auf "originär dem Web" entsprungene Publikationsformen wie Blogs, Wikis oder Foren nach und nach auszudehnen. In einem Frage-Antwort-Verzeichnis listet die Einrichtung bislang aber nur pauschal "elektronische Zeitschriften, E-Books, Hochschulprüfungsarbeiten, Digitalisate, Musikdateien oder auch Webseiten und dynamische Applikationen" auf. Eine Definition öffentlicher oder privater Werke fehlt. Weiter ist nachzulesen, dass die Entwicklung geeigneter Verfahren für den Massenbetrieb der Sammlung, Erschließung und Archivierung von Netzpublikationen "stufenweise" erfolge. Solange diese noch nicht abschließend zur Verfügung stünden, würde die DNB "keine Ordnungswidrigkeitsverfahren anstrengen".
    Also: Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird.
    Außerdem wird es hier weder Abmahnungen noch irgendwelche anderen Massen-Projekte geben - der einzige., der etwas anstreben könnte (weil er das Recht dazu hat) wäre die DNB. Und wenn die nicht wollen ... Und die werden auch kaum daran interessiert sein, jeden Müll aufzunehmen ...
    Wie sieht das mit dem Urheberecht des Seitenbetreibers aus, was darf die DNB außer archivieren noch alles mit den Inhalten tun?
    Das gleiche, was sie jetzt schon mit Büchern macht ... Der Allgemeinheit zur Verfügung stellen - und was schon öffentlich ist kann kaum erst von denen veröffentlicht werden.

    Und dann sollte man sich die Verordnung mal durchlesen. Da finden sich einige Punkte wo klar wird, dass Webseiten gar nicht gemeint sein können: "... unbenutzter Zustand ...", "... weniger als 25 Exemplare ..."

    Man sollte sich bei solchen Berichten immer mal das Original zu Gemüte führen, und dann erst Panik machen.
    Meine Beiträge sind immer (auch wenn es nicht ausdrücklich dabei steht) meine persönliche Meinung und müssen (und werden) nicht immer mit der aktuellen Rechtssprechung oder der Lehrmeinung im Jurastudium / anderen rechtswissenschaftlichen Studiengängen übereinstimmen. Sie sind lediglich meine Auslegung von mir bekannten Gesetzen und Urteilen.

  3. Benutzer
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    Standard AW: Pflichtablieferung von Medienwerken an die Deutsche ********bibliothek
    Ein guter Artikel dazu bei Spiegel-Online, der aber leider nicht ganz aktuell ist:

    [url]http://www.spiegel.de/netzwelt/[/url]
    web/0,1518,489765,00.html

    Ich hab mich auch gleich mal bei der DNB erkundigt, die wollen sich demnächst mit meiner Frage befassen...

  4. Benutzer
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    Standard AW: Pflichtablieferung von Medienwerken an die Deutsche ********bibliothek
    So, ich hab da jetzt mal angerufen.

    @aaky: Es sind wirklich die allermeisten Websites betroffen! Webseitenbetreiber müssen ihre Websites abschicken! Bei Zuwiderhandlungen können bis zu 10 000 Euro fällig werden. Für die Einzelfälle sollte man sich besser bei der DNB selbst erkundigen. Momentan sind die aber bereits so überlastet, dass sie nicht mehr innerhalb 1 Woche reagieren können.

    Es gibt allerdings Ausnahmen. Ich, der ich z.B. nur ein Softwareprodukt anbiete, solle mich ein wenig (paar Wochen) gedulden; man wolle es überprüfen, da dieses evtl. nicht registrierungspflichtig ist. Das wäre aber eher die Ausnahme.

    Grundsätzlich gilt auf jeden Fall: Websitenbetreiber sind i.d.R. davon betroffen.


    Edit: Steht das eigentlich nicht in Konflikt mit §4 TMG?
    Geändert von Spy (23.10.2008 um 15:32 Uhr)

  5. Neuer Benutzer
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    Standard AW: Pflichtablieferung von Medienwerken an die Deutsche ********bibliothek
    Hallo,
    angeblich reicht ja auch eine URL anzugeben, wo die sich dann die Seite als zip-File downloaden können. Das würde bedeuten, daß man für eine Website den doppelten Speicherplatz auf dem Server brauchen würde: einmal die eigentliche Website (html-Files, Bilder, usw.) und das Ganze noch einmal als großes zip-File.

    Da jpg-Files bereits komprimiert sind und oft den größten Speicheranteil einer Website ausmachen, ist das zip-File etwa so groß wie die ganze Website. Das nächste Problem ist, daß bei vielen Serverdiensten die max. Länge einzelner Files begrenzt ist, so ein riesiges zip-File also gar nicht hochgeladen werden kann. Als Emailanhang geht das dann schon mal gar nicht.

    Die nächste Frage: reicht eine einmalige Einreichung oder geht das Theater mit jedem Ubdate der Website erneut los, d.h. muß man nach jeder Aktualisierung des Inhaltes ein neues zip-File schicken? Bei einer einmaligen Sache könnte man eine gebrannte DVD per Post schicken (Einschreiben mit Rückschein) und hätte dann Ruhe. Wenn aber eine Site z.B. ca. jede Woche aktualisiert wird, hat man schon einen praktisch unzumutbaren bürokratischen Aufwand, bei zu großen Dateigrößen kommen auch noch laufende Kosten für Rohlinge und Porto dazu. Und das alles für eine private Website... Noch schlimmer wird es für Forenbetreiber oder Newsseiten, die mehrmals täglich neuen Inhalt haben.

    Es wäre ja alles kein Thema, wenn es genügen würde, denen die URL der Website zu geben und die laden sich die Website dann eben selber herunter, das soll mit wget ja recht gut funktionieren... Das können die sich auch automatisieren incl. Erzeugung der zip-Files oder Konvertierung nach PDF und sie können sich bei Bedarf auch jederzeit die aktuellste Version ziehen. Aber das wäre ja zu einfach und zu unbürokratisch...

    Ansonsten schreibt man groß "Betastadium" oder "Website noch im Aufbau" oder so hin, denn vorläufige Versionen sollen ja nicht darunter fallen, es steht ja nirgends, wann die entgültige Version da sein muß.

    Gruß
    krk

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