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Pop Konzerte ohne Erlaubnis gefilmt

  1. Neuer Benutzer
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    Standard Pop Konzerte ohne Erlaubnis gefilmt
    Angenommen Nutzer F nimmt mit seiner Videokamera diverse "bekannte Künstler" auf einem Pop Festival ohne Erlaubnis auf. Dabei wurde er erwischt und hat somit gegen § 53 Abs. 7 UrhG verstossen. Welche Konsequenzen könnten nun Nutzer F bei Verstoss § 53 Abs. 7 UrhG drohen?

  2. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Pop Konzerte ohne Erlaubnis gefilmt
    Zitat Zitat von madonnaprinz Beitrag anzeigen
    Angenommen Nutzer F nimmt mit seiner Videokamera diverse "bekannte Künstler" auf einem Pop Festival ohne Erlaubnis auf. Dabei wurde er erwischt und hat somit gegen § 53 Abs. 7 UrhG verstossen. Welche Konsequenzen könnten nun Nutzer F bei Verstoss § 53 Abs. 7 UrhG drohen?
    Das ist m.E. ein Verstoß gegen §77 UrhG:

    § 77 UrhG Aufnahme, Vervielfältigung und Verbreitung

    (1) Der ausübende Künstler hat das ausschließliche Recht, seine Darbietung auf Bild- oder Tonträger aufzunehmen.

    (2) Der ausübende Künstler hat das ausschließliche Recht, den Bild- oder Tonträger, auf den seine Darbietung aufgenommen worden ist, zu vervielfältigen und zu verbreiten. § 27 ist entsprechend anzuwenden.

    Würde die Aufnahme "verwertet" werden, so droht nach §108 UrhG eine Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe. Auch der Versuch ist strafbar.

    Was könnte also passieren?

    Theoretisch ein Strafverfahren, mit obigem Strafrahmen.

    Praktisch aber ein Zivilverfahren, während das Strafverfahren vermutlich wegen fehlendem öffentlichen Interesses gleich wieder eingestellt wird, mit dem Hinweis, daß der Geschädigte seine Ansprüche auf zivilrechtlichem Weg durchsetzen - und besser durchsetzen - kann.

    Was droht zivilrechtlich?

    Anwaltliche Abmahnung - mit einem vermutlich saftigen Streitwert, der zu einer Anwaltsgebühr im mittleren 4-stelligen Bereich führen dürfte.

    Mit der Abmahnung dürfte eine strafbewehrte Unterlassungsverpflichtung durchgesetzt werden, in der sich der Abgemahnte verpflichtet, die Aufnahme zu vernichten oder auszuhändigen und auf jede Verbreitung, Veröffentlichung usw. zu verzichten.

    Honorarforderung gemäß Schadensersatzanalogie dürfte wegfallen, solange die Aufnahme nicht verbreitet oder veröffentlicht wurde.

    Reagiert der Abgemahnte nicht unverzüglich, würde ich mit Antrag auf und Erlass einer einstweiligen Verfügung rechnen.

    Das wird dann noch mal richtig teuer.

    Wenn es sich um mehrere Künstler handelt, deren Vortrag unzulässig aufgenommen wurde, könnte die Sache noch ekliger werden - weil nämlich jeder Künstler bzw. sein Plattenlabel unabhängig voneinander entsprechende zivilrechtliche Maßnahmen ergreifen wird.

    Dann könnte man sich ganz schnell im 5-stelligen Bereich bei den Anwaltskosten wiederfinden.

    Sollte so ein Fall in der Realität passieren (und nicht nur hypotheisch hier diskutiert werden), dann würde ich dem Betroffenen dringend raten, einen Anwalt aufzusuchen - und zwar am besten noch bevor die Anwälte der Künstler oder Plattenlabels aufmarschieren.

    Denn wenn eine geeignete Unterlassungsverpflichtung schon abgegeben wird, bevor die Gegenseite sie verlangt - dann fällt m.E. die Notwendigkeit der Abmahnung weg. Und damit auch die Anwaltsgebühren der Gegenseite. Und man bezahlt nur einen Anwalt. Und nicht zwei oder drei oder zehn...

    Alles mal ganz hypothetisch.
    Was ich schreibe, ist nicht als "Rechtsberatung im Einzelfall" zu verstehen.

  3. Neuer Benutzer
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    Standard AW: Pop Konzerte ohne Erlaubnis gefilmt
    § 77 UrhG Aufnahme, Vervielfältigung und Verbreitung

    Während des Filmens eines Konzertes könnte aber Person F keine Verfielfältigung und Verbreitung begangen haben. 1. Gibts es ja nur ein "Master Band" auf denen die Aufnahmen sind und 2. fällt die Verfielfältigung und Verbreitung in diesem Falle weg. Dies kann ihm doch erst danach vorgeworfen werden. Denn wärend der Tat begeht er ja keine Verfielfältigung u. Verbreitung. Man könnte Person F zwar die Verfielfältigung und Verbreitung Unterstellen, nur muss dies Nachweisbar sein oder nicht? Solange nichts im Umlauf ist wie z.B Internet, Tauschbörsen usw. ist ja auch keine Verbreitung im Sinne von §108 UrhG begangen worden. Bleibt doch trotzdem § 53 Abs. 7 UrhG & § 77 UrhG , denn nur dies kann Person F als "wirkliche Tat" in diesem Moment vorgeworfen werden. Alles andere hat er ja nicht wirklich zur Tatzeit und zu diesem Zeitpunkt begangen.

    Trotzdem bleibt die Frage, was nun Person F bei Verstoss von § 53 Abs. 7 UrhG & § 77 UrhG (unter Ausschluss der Vervielfältigung u. Verbreitung) droht.
    Geändert von madonnaprinz (26.06.2008 um 02:24 Uhr)

  4. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Pop Konzerte ohne Erlaubnis gefilmt
    Zitat Zitat von madonnaprinz Beitrag anzeigen
    § 77 UrhG Aufnahme, Vervielfältigung und Verbreitung

    Während des Filmens eines Konzertes könnte aber Person F keine Verfielfältigung und Verbreitung begangen haben.
    Nein. Aber eine Aufnahme... Und das darf er auch nicht.

    "Der ausübende Künstler hat das ausschließliche Recht, seine Darbietung auf Bild- oder Tonträger aufzunehmen."

    Und wie ich bereits im ersten Posting schrieb: wenn diese Aufnahme verwertet wird, dann drohen die geschilderten strafrechtlichen Konsequenzen.

    Die Aufnahme selbst, zumal wenn während des Konzerts entdeckt, dürfte strafrechtlich irrelevant bleiben, denn wie Du ja selber erkannt hast, findet auf dem Konzert wohl kaum schon eine "Verwertung" statt.

    Zivilrechtlich allerdings könnte sich Nutzer F eine anwaltliche Abmahnung mit Verlangen auf Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungsverpflichtung einhandeln (und eine einstweilige Verfügung, wenn er die nicht schnell genug unterschreibt).

    Denn durch die unzulässige Aufnahme entsteht die erhebliche Gefahr, daß Nutzer F diese im folgenden auch unzulässig verwerten wird. Da hat der Rechteinhaber ein starkes berechtigtes Interesse, einem möglichen Mißbrauch von vornherein einen Riegel vorzuschieben.

    Trotzdem bleibt die Frage, was nun Person F bei Verstoss von § 53 Abs. 7 UrhG & § 77 UrhG (unter Ausschluss der Vervielfältigung u. Verbreitung) droht.
    Schrub ich bereits in meiner ersten Antwort. Du musst es nur lesen.
    Was ich schreibe, ist nicht als "Rechtsberatung im Einzelfall" zu verstehen.

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