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Fremde Urheber in veröffentlichter Hobbyarbeit

  1. Neuer Benutzer
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    Standard Fremde Urheber in veröffentlichter Hobbyarbeit
    Bei der ganzen Diskussion um das Urheberrecht frage ich mich, wo es eigentlich anfängt und wo es aufhört.

    Wenn Kinder im Kindergarten aus Katalogen und Illustrierten Dinge ausschneiden, zusammen kleben und dann die Werke ins Fenster der Einrichtung hängen, wo jedermann drauf gucken kann, wird niemand etwas dagegen haben.

    Wenn man aber eine Collage aus zusammen gesuchten Bildteilen, Videoschnipseln und Soundfiles einer Internet-Community zum Bestaunen zur verfügung stellt (z.B. in Form einer Flash-Präsentation oder eines Computerspiels), kann man gleich mit einer Abmahnwelle rechnen.

    Wo sind denn da die Grenzen? Oder vielleicht besser: Wo ist da der Unterschied?

  2. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Fremde Urheber in veröffentlichter Hobbyarbeit
    Der Unterschied ist, dass das eine im Zuge der Erziehung und Entwicklung eines Menschen erfolgt, das andere aus dem Drang zur Selbstdarstellung
    Kinder verfolgen keine Ziele damit, es ist einfach "Beschäftigung" und "Bildung", für einen Erwachsenen steht immer ein Zweck dahinter.
    Auch ist die Art der Veröffentlichung schon eine andere, zumindest die Zielgruppe ist ganz anders.

    Außerdem sind Zitate nach Urheberrecht (und als solche kann man sehen) erlaubt, "sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist." Und zur Bildung menschlicher Eigenschaften sollte das schon erlaubt sein.

    Genauso schwachsinnig wie der Vergleich ist die zu erwartende "Abmahnwelle" - bestenfalls kann der Urheber einen Verwender abmahnen, wegen sowas gibt es keine Abmahnwellen.

    Da hat mal wieder jemand zu viele "meinungsbildenden" Medien konsumiert und den Blick für die Realität verloren ...
    Meine Beiträge sind immer (auch wenn es nicht ausdrücklich dabei steht) meine persönliche Meinung und müssen (und werden) nicht immer mit der aktuellen Rechtssprechung oder der Lehrmeinung im Jurastudium / anderen rechtswissenschaftlichen Studiengängen übereinstimmen. Sie sind lediglich meine Auslegung von mir bekannten Gesetzen und Urteilen.

  3. Super-Moderator
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    Standard AW: Fremde Urheber in veröffentlichter Hobbyarbeit
    Wo sind denn da die Grenzen? Oder vielleicht besser: Wo ist da der Unterschied?
    Die Grenzen sehe ich in den Schranken des Urheberrechtes selber (z.B. 44a- 63a). Nur ist es im Internet nun einmal so, dass Bilder hier öffentlich zugänglich gemacht werden und natürlich weiter verbreitet, also vervielfältigt werden können. Von daher ist die Gefahr für Urheber deutlich höher, als bei den Bildern am Kindergarten-Fenster o.ä., könnte man außerdem unter §46 UrhG noch fassen, jedoch unter Berücksichtigung des Abs. III oder in den 53a reinargumentieren, wobei man das wohl weniger eng sehen sollte. Zumal man am Kindergartenfenster die öffentliche Zugänglichmachung auch anzweifeln kann.
    Bei den privaten Collagen im Internet, ist aus meiner Sicht grundsätzlich die Erlaubnis zur Verwendung einzuholen, zumal der Urheber dies auch als Entstellung sehen könnte... finde mit der Entstellung lässt sich so fast alles runterargumentieren.
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    Dies ist keine Rechtsberatung, sondern nur eine persönliche Meinung

  4. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Fremde Urheber in veröffentlichter Hobbyarbeit
    Zitat Zitat von antineff Beitrag anzeigen
    Wenn Kinder im Kindergarten aus Katalogen und Illustrierten Dinge ausschneiden, zusammen kleben und dann die Werke ins Fenster der Einrichtung hängen, wo jedermann drauf gucken kann, wird niemand etwas dagegen haben.
    Da wäre ich nicht so sicher...

    Unter der Überschrift "Zweimal hupen ist erlaubt Emmentaler trifft Edamer" berichtete die FAZ am 8.6, daß in der kleinen schweizerischen Stadt Burgdorf, die die niederländische EM-Mannschaft beherbergt, ein kleines Mädchen im Schulunterricht liebevoll das "Euro 2008"-Logo nachgemalt hat.

    Das Bild wurde vor den Augen der Kinder von den Lehrern der Schule verbrannt, damit - sinngemäßes Zitat - die Kleinen von Anfang an Respekt vor Markenrechten lernen.

    Sonderrechte für Kinder gibt es in Sachen Urheberrecht (Markenrecht, Geschmacksmusterschutz etc.) jedenfalls nicht.

    Wenn man aber eine Collage aus zusammen gesuchten Bildteilen, Videoschnipseln und Soundfiles einer Internet-Community zum Bestaunen zur verfügung stellt (z.B. in Form einer Flash-Präsentation oder eines Computerspiels), kann man gleich mit einer Abmahnwelle rechnen.
    Auch das ist so pauschal nicht richtig.

    Es ist zulässig - für Kinder wie für Internet-Nutzer - unter "freier Benutzung" eines fremden geschützten Werkes ein eigenes Werk zu schaffen. (§24 UrhG). Entscheidend dabei ist, daß die schöpferische Eigenleistung deutlich höher ist als das, was man übernimmt.

    Persiflagen auf bestehende Werke sind z.B. regelmäßig anerkannte Beispiele dafür - wenn die o.a. Voraussetzung erfüllt ist.

    Collagen sind ein Grenzfall - es reicht nicht, einfach fremder Leute Bilder zusammenzukleben, daraus entsteht noch nicht automatisch ein neues eigenes Werk im Sinne des §24 UrhG. Die Zusammenstellung muß so viel eigenschöpferische Gestaltungshöhe haben, daß ein neues Werk daraus entsteht.

    Im Zweifel resp. im Streitfall entscheidet das Gericht, ggf. mit Hilfe von Gutachtern.

    Wo sind denn da die Grenzen? Oder vielleicht besser: Wo ist da der Unterschied?
    Es gibt keinen. Was Hans nicht darf, darf Hänschen auch nicht.
    Was ich schreibe, ist nicht als "Rechtsberatung im Einzelfall" zu verstehen.

  5. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Fremde Urheber in veröffentlichter Hobbyarbeit
    Zitat Zitat von Styx Beitrag anzeigen
    Zumal man am Kindergartenfenster die öffentliche Zugänglichmachung auch anzweifeln kann.
    Vorführungsrecht, §19 Abs.4 UrhG...

    Ob das Fenster eines Kindergartens ein geschütztes Werk "öffentlich" macht, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wo das Fenster liegt und ob es von der Straße aus einsehbar ist.

    Im übrigen sollen die Kinder gefälligst selber malen und zeichnen, und nicht einfach Schnipsel anderer Leute zusammenkleben.
    Was ich schreibe, ist nicht als "Rechtsberatung im Einzelfall" zu verstehen.

  6. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Fremde Urheber in veröffentlichter Hobbyarbeit
    Zum Glück darf man hier nicht nur über "geschriebenes" Recht diskutieren.
    daß in der kleinen schweizerischen Stadt Burgdorf, die die niederländische EM-Mannschaft beherbergt, ein kleines Mädchen im Schulunterricht liebevoll das "Euro 2008"-Logo nachgemalt hat.

    Das Bild wurde vor den Augen der Kinder von den Lehrern der Schule verbrannt, damit - sinngemäßes Zitat - die Kleinen von Anfang an Respekt vor Markenrechten lernen.
    Abgesehen davon, dass es die Schweiz ist, wo das deutsche UrhG nicht gilt - das macht natürlich sehr viel Sinn - und vor allem stärkt das, neben dem Bewusstsein für Markenrechte - auch unwahrscheinlich das Vertrauen in die Inhaber der Marke. Ich glaube, ich hätte die einfach aus der Schule getreten ...
    Sonderrechte für Kinder gibt es in Sachen Urheberrecht (Markenrecht, Geschmacksmusterschutz etc.) jedenfalls nicht.
    Aus meiner Sicht schon - nämlich in bezug auf Strafmündigkeit (wenns um Strafrecht geht) oder Geschäftsfähigkeit (wenns um Zivilrecht geht). Ein 4-Jähriger, der eine Brausedose beschmiert wird kaum wegen "Verschandelung" der Marke bestraft werden. Und wenn, sollte man den Richter gleich mit wegsperren.

    Sicherlich hat Recht Auswüchse aller Art, nur Unvernunft ist für mich kein Recht, auch wenn die Gesetze und die, die sie machen, das nicht begreifen. Und deswegen werde ich sowas nicht auch noch als Recht verteidigen - im Gegenteil, dann formulier ich lieber mein eigenes Recht
    Ob das Fenster eines Kindergartens ein geschütztes Werk "öffentlich" macht, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wo das Fenster liegt und ob es von der Straße aus einsehbar ist.
    Da würde ich sagen, macht das Gesetz keinen Unterschied.
    Im übrigen sollen die Kinder gefälligst selber malen und zeichnen, und nicht einfach Schnipsel anderer Leute zusammenkleben.
    Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, hab ich das manchmal lieber gemacht als gemalt. Aber das soll jeder für sich entscheiden, und oftmals hab ich das Gefühl, es gibt tatsächlich Menschen, die niemals Kinder waren. Wie das biologisch geht ist mir zwar ein Rätsel, aber wenn man sich die Gesellschaft so betrachtet scheint das schon lange keine Ausnahme mehr zu sein ...
    Meine Beiträge sind immer (auch wenn es nicht ausdrücklich dabei steht) meine persönliche Meinung und müssen (und werden) nicht immer mit der aktuellen Rechtssprechung oder der Lehrmeinung im Jurastudium / anderen rechtswissenschaftlichen Studiengängen übereinstimmen. Sie sind lediglich meine Auslegung von mir bekannten Gesetzen und Urteilen.

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