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Beleidigung via ICQ Einzel/Privatchat

  1. Neuer Benutzer
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    Standard Beleidigung via ICQ Einzel/Privatchat
    Hallo!

    Besteht ein Unterschied darin, ob eine im Internet geäußerte Beleidigung innerhalb eines privaten P2P Chats zwischen zwei Personen, also beispielsweise in einem normalen ICQ-Gespräch geäußert wurde oder innerhalb eines Forums oder einem Chat mit einem größeren, öffentlichen Publikum?

    Inwieweit spielt es eine Rolle, ob die Situation in der beleidigt wurde durch gezielte Sticheleien und Andeutungen gewollt herbei provoziert wurde und welchen Effekt hat dies auf die strafrechtliche Relevanz?

    Wie groß sit die Wahrscheinlichkeit, dass das Verfahren bei jugendhaftem Alter des Täters und starker affektierung eingestellt wird?

    Gruß und Dank

    Herr Unterberg

  2. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Beleidigung via ICQ Einzel/Privatchat
    Unterschied macht das keinen. Das StGB kennt nur den Tatbestand, ob das nun unter 4 oder 1000 Augen erfolgt ist, ist für den Tatbestand unrelevant. Der einzige Unterschied dürfte die Beweisbarkeit sein. Bei 1000 Augen lässt sich das naturgemäß viel einfacher beweisen, dass tatsächlich eine Beleidigung stattgefunden hat.
    Und ob man provoziert wurde oder nicht ist für den Tatbestand auch egal. Auch dazu gibt es im Gesetz keine Aussage.
    Wie groß sit die Wahrscheinlichkeit, dass das Verfahren bei jugendhaftem Alter des Täters und starker affektierung eingestellt wird?
    Da müsste man auch beachten, wie schwer die Beleidigung war. Ich bin kein Vertreter der "Stinkefinger = mehrere T€"-Theorie, aber ich bin auch nicht dafür, dass das Alter des Beleidigenden berücksichtigt wird. Entweder man will "erwachsen" sein, dann muss man sich auch so benehmen, oder man spielt eben weiter im Sandkasten

  3. Neuer Benutzer
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    Standard AW: Beleidigung via ICQ Einzel/Privatchat
    Das wäre wahr. Gehen wir nuneinmal von einer einmaligen, einsätzigen Beleidigung mit angeblich Standardvokuabular, bspw. "Arschloch", aus....

    Laut dem Wikipedia-Artikel zur Beleidiung exisitieren bestimmte Begleitumstände, die beleidigendes Verhalten herbeiprovozorien können. In dem Artikel wird folgendes Beispiel genannt:

    "Nach herrschender Auffassung kann in eine Beleidigung ausdrücklich, aber auch konkludent, das heißt durch schlüssiges Verhalten, eingewilligt werden. Begibt man sich beispielsweise in einer Diskussion auf ein unsachliches Niveau und beleidigt andere, so kann dies von einem Gericht unter bestimmten Umständen als konkludente Einwilligung gewertet werden, was zur Folge hat, dass die Tat nicht strafbar ist. So versuchte beispielsweise ein Gast einer Talkshow die Ausstrahlung zu verhindern, indem er vor Gericht geltend machte, er sei während der Sendung von anderen Talkgästen beleidigt worden, und mit der Ausstrahlung der Sendung mache sich der Sender seinerseits strafbar wegen Beleidigung. Das Gericht erlaubte die Ausstrahlung jedoch mit der Begründung, der Kläger habe in der Sendung seinerseits auf niedrigem Niveau provoziert (Landgericht Nürnberg-Fürth 6. Oktober 2000, Az. 16 S 2865/00). Auch sei ihm wegen eines früheren Talkshow-Besuches bekannt gewesen, worauf er sich mit dem Besuch einer Talkshow einlasse. Dies sei als Einwilligung durch schlüssiges Verhalten zu bewerten."

    Inwiefern würden hierbei Parallelen zu besagtem Beispiel bestehen?

    Grüße

  4. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Beleidigung via ICQ Einzel/Privatchat
    Meine Wertung: "herrschende Meinung" bedeutet eigentlich nichts anderes, als das viele es so sehen (und es meistens auch Lehrmeinung ist). Der Einzelfall muss sich aber nicht der herrschenden Meinung unterordnen. Ein Richter könnte das also durchaus anders sehen. Oder er schließt sich eben der herrschenden Meinung an.

    Wobei ich persönlich sehe das Beispiel dieses Falls als unglücklich an, denn es hat einige sehr spezielle Punkte, die man eigentlich nicht verallgemeinern kann:

    "er wußte worauf er sich einlässt" -> wer weiß das schon im normalen Leben. Wenn ich mit jemandem kommuniziere heißt das nicht, dass ich mich beleidigen lassen muss. Und wenn man sich mit jemandem über Chat oder was auch immer unterhält, muss man auch nicht damit rechnen.

    "Verklagte den Sender" -> Hier geht es ja eigentlich gar nicht um die Beleidigung selber, sonst hätte er jemanden aus dem Publikum verklagen müssen. Der Sender hat ihn ja nicht beleidigt sondern die Leute, die da waren. Ist aus meiner Sicht ein ganz anderer Sachverhalt.

    "kann in eine Beleidigung ausdrücklich, aber auch konkludent, das heißt durch schlüssiges Verhalten, eingewilligt werden. Begibt man sich beispielsweise in einer Diskussion auf ein unsachliches Niveau und beleidigt andere ..." -> Okay, dann hat man den anderen schon beleidigt. Sprich, die Beleidigung ist nur eine Reaktion auf eine andere, bereits erfolgte Beleidigung, eben "Auge um Auge", so eine Art "Selbstjustiz". Wenn ich jemanden beleidige muss ich natürlich damit rechnen, dass der andere mich auch beleidigt. Dass ich der Beleidigung dann zustimme, würde ich aber persönlich verneinen - ich sehe immer noch einen Unterschied zwischen "Herausforderung" und "Zustimmung". Wenn ich jemanden herausfordere etwas zu tun, kann der sich auch gesittet verhalten. Oder stimmt jeder, der jemanden anders zu einem Wettstreit (gleich welcher Art: Sport, Kraft, Schlagfertigkeit ...) herausfordert damit automatisch zu, dass der andere ihn übers Ohr haut (betrügt, Doping, Gewalt anwendet ...)? Wohl kaum.

    Und meine persönliche Meinung zu der Beleidigung selbst: So etwas würde ich persönlich als unqualifizierten, dummen und naiven Kraftausdruck abtun. Zeigt eigentlich, dass der andere schon auf so einem tiefen Nivveau ist, dass ihn eine Anzeige wegen Beleidigung auch nicht mehr tiefer bringen würde - wäre mir also die Gedanken um eine Anzeige nicht wert. Alledrings auch keine Kommunikation mehr mit dem anderen.

    Aber das sind eben Sachen, die jeder mit sich selbst ausmachen muss - und die Rechtssprechung wird durch sowas nur von den wirklich wichtigen Themen abgehalten ...

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