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Arglistige Taeuschung?

  1. Neuer Benutzer
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    Frage Arglistige Taeuschung?
    Hallo!

    Angenommen sei folgender Fall:

    B ersteigert von A eine gebrauchte Tastatur fuer 32,90 EUR + 6,90 Versand. B bezahlt, die Ware wird verschickt.
    Nach Erhalt beschwert sich B bei A per Mail, dass die Tastatur angeblich nicht im der Beschreibung entsprechenden Zustand sei. Angeblich sei die Tastatur verschmutzt und das Kabel an einigen Stellen bruechig. Weiterhin setzt er B per Mail eine Frist von 10 Tagen um den Kauf rueckgaengig zu machen und die Tastatur gegen Rueckueberweisung des Kaufpreises + Versandkosten + Rueckversandkosten zurueck zu senden.

    A ist sich sicher, dass die Tastatur in ordnungsgemaessem Zustand war (bis auf normale Gebrauchsspuren) und definitiv das Kabel keine Risse hatte, raeumt aber die Moeglichkeit ein, dass das Kabel durch das Alter der Tastatur (ca. 14 Jahre) und die starke Biegung beim Einpacken beschaedigt worden sein koennte. Weiter fordert A B auf, ihm Bilder des Schadens zuzusenden, was B angeblich auch zwei Tage vor Ablauf der Frist tut. Allerdings kommt diese Mail nie bei A an (vermutlich zu gross und deswegen vom Mailserver verschluckt).

    Durch Zeitmangel kann A erst einen Tag nach Ablauf der Frist wieder ins Internet und seine Mails lesen, stellt fest, dass die Mail immer noch nicht angekommen ist, worauf B ihm nochmals eine Mail mit weniger Bildern sendet, die auch ankommt. A erkennt auf den Bildern den Schaden und bietet B sofort an, die Tastatur gegen Erstattung des Preises + Versand + Rueckversand zurueckzunehmen (so wie B es gefordert hatte).

    Einen Tag spaeter erhaelt A einen Brief von B, aus dem hervorgeht dass B Rechtsanwalt ist (traegt den Briefkopf der Kanzlei) und der folgende Forderungen beinhaltet:

    * Vorwurf der arglistigen Taeuschung
    * Rueckerstattung des Kaufpreises von 32,90
    * Rueckerstattung der Versandkosten, 6,90 EUR
    * Uebernahme der Rueckversandkosten 3,85 EUR
    (gesamt 43,65 EUR)
    * Gebuehrenrechnung fuer den Mandatszeitraum von 1 Tag:
    1,3 Verfahrensgebuehr nach Par. 2,13 RVG, Nr 2300 VV RVG - 32,50 EUR
    Entgelt fuer Post- und Telekommunikation gem. Nr 7002 VV RVG - 6,50 EUR

    Summe: 82,65 EUR

    Weiter enthaelt der Brief eine Fristsetzung von 10 Tagen, bei Nichtbegleichung wuerden sonst weitere rechtliche Massnahmen folgen.

    Fragen:
    1) darf ein Rechtsanwalt sich selbst "mandatieren" und entsprechende Gebuehren fordern?
    2) sind die Gebuehren gerechtfertigt?
    3) ist es ein Widerspruch, dass sich der Mandatszeitraum auf einen Tag beschraenkt und aber 1,3 Verfahrensgebuehr gefordert werden (unter [url]http://www.rechtsanwaltsgebuehren.de/Berechnen/index.html?http://www.rechtsanwaltsgebuehren.de/Berechnen/RAGebB.html#GEschGeb[/url]
    steht: "Fertigt der Anwalt nur ein einfaches Schreiben (z.B. einfache Mahnung, einfache Kündigung) an, so erhält er nur eine 0,3 Gebühr." )?
    4) Soll A die Sache auf sich beruhen lassen und zahlen, obwohl er ohne eigenes Verschulden den Schaden gar nicht rechtzeitig begutachten konnte, oder soll er dagegen angehen?

    Mit freundlichen Gruessen und vielen Dank im Voraus fuer alle hilfreichen Antworten!
    Geändert von lostandfound (08.03.2008 um 15:31 Uhr) Grund: Detaileinfuegung

  2. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Arglistige Taeuschung?
    Ich fass mich mal kurz, da man von außen eh nichts beurteilen kann:
    1. Aus meiner Sicht nein.
    2. Aus meiner Sicht nein
    3. Aus meiner Sicht Abzocke
    4. Aus meiner Sicht auf keinen Fall.

    Allerdings sollte A sich jemanden suchen, der dem ganzen gewachsen ist, nämlich einen Anwalt.

    Aus meiner Sicht ist B gar kein Anwalt und täuscht das nur vor um A zu beeindrucken, oder er ist so ein schlechter, dass er ohne derartige Methoden nicht überlebt, weil er kleine Mandanten hat.

  3. Neuer Benutzer
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    Standard AW: Arglistige Taeuschung?
    Danke schonmal fuer die Einschaetzung!

    Zitat Zitat von aaky Beitrag anzeigen
    Aus meiner Sicht ist B gar kein Anwalt und täuscht das nur vor um A zu beeindrucken, oder er ist so ein schlechter, dass er ohne derartige Methoden nicht überlebt, weil er kleine Mandanten hat.
    Eine kurze Recherche bei Google hat zumindest bestaetigt, dass B tatsaechlich Anwalt ist (ist auf einer der Rechtsanwalt-Auflistungs-Webseiten und in den gelben Seiten verzeichnet).

  4. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Arglistige Taeuschung?
    Ich glaube es trotzdem nicht so richtig
    Einen Briefkopf kann ich mir auch irgendwo kopieren ... (auch wenn ich das nie tun würde).
    Die ganze Schilderung scheint mir irgendwie aus einem schlechten Roman. Ich habe einfach soviel Vertrauen in die Gilder der Rechtsanwälte dass ich denen vertraue, dass die wissen was sie tun. Nur eben der versucht etwas, was aus meiner Sicht durch kein Recht und Gesetz gerechtfertigt ist.

    Allein das "eigene Mandat" eines Rechtsanwalts ist durch Rechtssprechungen negiert wurden.

    Auch sollte ein Anwalt wissen was arglistige Täuschung ist. Und die entsprechenden Rechtsfolgen.

    Und ein Anwalt sollte wissen, dass er er den Zugang einer Email als Absender nachweisen muss. Wenn er also der Meinung wäre, A hätte zu spät reagiert müsste er den Zugang der Bilder nachweisen.

    Und ein Anwalt weiß, was Fristen sind und wie diese zu handhaben sind ...

    Und noch viele anderen Dinge, die mich einfach zweifeln lassen ...

  5. Neuer Benutzer
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    Standard AW: Arglistige Taeuschung?
    Ja, A zweifelt auch sehr - aber wenn A einen eigenen Rechtsanwalt hinzuzieht, wird es ja noch deutlich teurer. Selbst wenn B seine Forderung zurueckziehen sollte, dann muss A immer noch seinen eigenen Anwalt bezahlen - was vermutlich einiges mehr kostet als die geforderten 39 EUR Gebuehren.
    Ganz zu schweigen von einem Gerichtsverfahren.

    Zum Thema "darf ein Anwalt sich selbst vertreten und dafuer Gebuehren kassieren" habe ich widerspruechliche Antworten gefunden:

    Auf [url]http://www.rechtsanwaltsgebuehren.de/Infos/Lesermeinung.html#eigen[/url] steht "ja, darf er, wenn er im Schreiben als Anwalt auftritt" (was B getan hat).

    Auf [url]http://www.linksandlaw.info/abmahnung-urteil-rechtsanwalt.html[/url] finde ich dagegen folgende Passage: "Ist in einem einfach gelagerten Schadensfall die Verantwortlichkeit für den Schaden und damit die Haftung von vornherein nach Grund und Höhe derart klar, dass aus der Sicht des Geschädigten kein vernünftiger Zweifel daran bestehen kann, dass der Schädiger ohne weiteres seiner Ersatzpflicht nachkommen werde, so ist es im Allgemeinen auch nach der ständigen Rechtsprechung des erkennenden Senats aus der Sicht des Geschädigten zur Schadensbeseitigung nicht erforderlich, schon für die erstmalige Geltendmachung des Schadens gegenüber dem Schädiger einen Rechtsanwalt hinzuzuziehen. Vielmehr ist der Geschädigte in derart einfach gelagerten Fällen grundsätzlich gehalten, den Schaden zunächst selbst geltend zu machen."

    Im Moment ist A dazu geneigt, einfach zu zahlen und das Ganze als Lehrgeld abzuhaken, selbst wenn B im Unrecht sein sollte.

  6. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Arglistige Taeuschung?
    Im Moment ist A dazu geneigt, einfach zu zahlen und das Ganze als Lehrgeld abzuhaken, selbst wenn B im Unrecht sein sollte.
    Und B würde damit durchkommen, es beim nächsten wieder machen, und wieder, und wieder ... Sicherlich kann ich den Standpunkt aus finanzieller Sicht verstehen, aus rechtlicher ist er aus meiner Sicht falsch
    Ja, A zweifelt auch sehr - aber wenn A einen eigenen Rechtsanwalt hinzuzieht, wird es ja noch deutlich teurer.
    Zunächst ja, allerdings kann A die Kosten über den Schadensersatz gegenüber B geltend machen.

    Zum Thema "darf ein Anwalt sich selbst vertreten und dafuer Gebuehren kassieren" habe ich widerspruechliche Antworten gefunden:
    Recht ist immer widersprüchlich. Abgesehen davon, dass ich von einer Seite die "rechtsanwaltsgebuehren" heißt nichts anderes errwarten würde.

    So sehe ich nämlich auch das Hauptproblem, nämlich einen Anwalt zu finden der mitmacht: Eine Krähe ...

    In solchen Fällen ist eine Rechtsschutzversicherung immer angebracht
    Meine ganz persönliche Meinung, ist weder als Anleitung zum handeln noch als Hinweis zu verstehen: Ich würde einen Anwalt damit nicht durchkommen lassen.

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