Wie ist folgender fiktiver Fall zu bewerten:

Ein Internetportal, das zwischen Ghostwritern und Auftraggebern vermittelt, nimmt von den Auftragnehmern eine Provision, die sich an der Höhe des Auftragswertes bemisst. Beispiel: Student A (der anonym bleibt und für die Anmeldung auf dem Portal lediglich eine Email-Adresse angibt) sucht einen Ghostwriter für eine Hausarbeit auf dem Vermittlungsportal. Ghostwriter B unterbreitet ein Angebot in Höhe von 250€. Das Portal erhält von den 250€ für die Vermittlung 20%, sprich 50€. Damit sich zwischen den Auftraggebern und Auftragnehmern kein Geschäft anbahnt an dem das Portal nicht verdient, ist der Austausch von Kontaktdaten vor Vertragsschluss verboten. Sämtliche Nachrichten zwischen Auftraggebern und Ghostwritern werden von den Portalbetreiben mitgelesen bzw. können grundsätzlich mitgelesen werden um einen Austausch der Kontaktdaten vor ordentlichem Vertragsschluss zu verhindern.

So angenommen, Ghostwriter B findet, dass die 20% Gebühren ungerechtfertigt sind, und beschließt Folgendes: Er verhandelt mit einem potenziellen Auftraggeber ein Honorar für einen Auftrag, z.B. 300€. Er weist den Auftraggeber im Vorfeld darauf hin, dass er auf dem Portal ein niedriges Gebot abgeben wird, um die Gebühren möglichst gering zu halten, z.B. 1€. Zahlen soll der Auftraggeber nach Vertragsabschluss trotzdem das vorher vereinbarte Honorar (300€), und nicht das, was bei der Auftragsabgabe angegeben wurde (1€). Das Portal erhält in dem Fall eine Provision von 0,20€.

Angenommen, das Portal kommt auf Ghostwriter B zu, nachdem dieser einige Male ein niedriges Gebot abgegeben hat, obwohl in den Nachrichten ein höheres Honorar ausgehandelt wurde und fordert auf Grundlage des Nachrichtenverkehrs den Differenzbetrag von Ghostwriter B. Die Rechnungen, die für die niedrigen Gebote gestellt wurden, sind bereits bezahlt und der Zahlungseingang von dem Portal verzeichnet. Muss Ghostwriter B der Forderung nach Zahlung des Differenzbetrags trotzdem nachkommen?
Ist ein rechtmäßiger Vertrag zwischen Student A, der nur eine Emailadresse angegeben hat, und Ghostwriter B zustande gekommen? Ist ein Vertrag zwischen Ghostwriter B und dem Vermittlungsportal zustande gekommen?

Falls aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen das Portal tatsächlich Anspruch auf den Differenzbetrag hätte, möchte Ghostwriter B den Portalbetreibern sagen, dass es nach Annahme des Gebotes von Student A zu keiner Zusammenarbeit gekommen ist und er kein Geld von Student A erhalten hat. Student A kann das auf Nachfrage bestätigen.


Einige weitere Informationen zu den AGBs:

Vertragsschluss und Vertragserfüllung von den auf dem Portal vergebenen Aufträgen richten sich nach allgemeinem Vertragsrecht.

In der Gebührenordnung, wird darauf hingewiesen, dass sich die Kosten für das Portal nach dem "ausgehandelten Auftragswert" richten.

Darüber hinaus wird bei der Gebotsabgabe folgender Text eingeblendet: Die Abgabe von Seitenpreisen oder sonstigen Preisen (bspw. für ein Exposé, eine Testseite, ein Inhaltsverzeichnis etc.), die nicht das gesamte Auftragsvolumen abdecken, sind nicht gestattet.

Außerdem steht dort, dass Angebote mit Dumpingpreisen deaktiviert werden. Der Autor, die Auftraggeber des Portals, sowie die Plattform profitiert von einer gesunden Preissetzung, welche es Experten erlaubt, ausreichend Zeit für hochwertige Texte aufzubringen.

Danke für die Antworten!