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Thema: Panoramafreiheit bei Fotomontagen in DE, AU und USA

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    Frage Panoramafreiheit bei Fotomontagen in DE, AU und USA

    Panoramafreiheit, Fotomontagen mit Gebäudefront, USA, Deutschland(DE), Österreich(AU)

    Hi zusammen,
    ich bin neu hier und hoffe, das richtige Unterforum für meine Fragen gewählt zu haben. Mich interessiert mal die Meinung der Allgemeinheit zu folgender hypothetischer, aber wahrscheinlich gar nicht so seltener Situation:

    Angenommen, jemand hat eine private, nichtkommerzielle Webseite/Blog (Thema zB SciFi, komplett ohne Werbung), die entweder
    * englischsprachig und korrekterweise in den USA registriert ist (*.com)
    oder
    * deutschsprachig und in Deutschland oder Österreich registriert ist (*.de / *.at),

    und möchte dort unter anderem eigene kreative graphische Werke veröffentlichen. Manche dieser Werke wären vielleicht komplette Eigenschöpfungen (zB Computergrafiken, Space-Art, Raumschiffe, etc), andere Werke wären zB selbst gemachte Fotografien futuristisch aussehender, aber realer Gebäude von aussen, vielleicht zB aus Deutschland oder Österreich.

    Nach meiner Einschätzung, dh als jemand, der von Paragrafen kaum Ahnung hat, sollten beide Fälle unproblematisch sein. Ersteres (eigene Werke) sowieso, und zweiteres (Fotos realer Gebäude) wegen der Panoramafreiheit, die es in DE, AU und auch in den USA gibt, ebenso.

    Zu diesem zweiten Fall (Fotos von Gebäuden) hätte ich aber bereits eine spezifischere Frage:
    * Müsste ein Seitenbetreiber, d.h. primär der Autor des entsprechenden Blog-Posts, dazuschreiben, wo das Gebäude steht und/oder gar den Namen des Architekten angeben? (Natürlich macht es eh Sinn und wäre auch höflich, das von vorne herein zu tun, aber MÜSSTE man? Schließlich kann das einen erheblichen Rechercheaufwand bedeuten, gerade, wenn die Adresse oder gar die Stadt nach Jahren nicht mehr bekannt sind)
    * Dazu ggf eine Zusatzfrage: Wenn in den USA ein selbstgemachtes Foto von einem Gebäude aus DE oder AU ohne dessen Location/Angabe des Bauherrn/Architekten? gepostet würde, müsste der US-Seitenbetreiber einen deutschen Anwalt fürchten?


    Nun zum eigentlichen Hauptproblem, der 3. Fall, nämlich eine Kombination aus 1 und 2:
    Wie sähe es bei Fotomontagen aus, wenn zB ein selbstgemachtes Foto eines realen Gebäudes auf die selbst kreierte Oberfläche eines fremden Planeten ”gephotoshopt” wird?
    Der Wikipedia-Artikel ( link: https://de.wikipedia.org/wiki/Panoramafreiheit
    dort unter 2.5.5 "Änderungsverbot" ) benennt zwar ein Veränderungsverbot für Deutschland aber hier irritiert mich, dass gleichzeitig eine Vervielfältigung mittels der Malerei erlaubt sei. Selbst wenn ein begnadeter Künstler den Pinselstrich meisterhaft beherrscht, so sähe ein gemaltes Bild einer Gebäudefassade doch immer anders aus als das Original oder eine Fotografie. Ja selbst eine Fotografie kann Farbfehler enthalten oder über die Jahre verblassen.

    Also (gemäß den obigen Umständen):
    * Dürften eingescannte Gebäudefotografien mit erheblichen Farbfehlern im Internet veröffentlicht werden?
    * Wären Fotomontagen (mit dem an sich unveränderten Gebäudeaussehen als Teil des Gesamtwerkes) tatsächlich verboten in USA, DE und AU?
    * Was, wenn ein solcher Blogautor den FOTOausschnitt des Gebäudes derart digital verändern würde, dass man zwar das Gebäude noch grob erkennen und ggf identifizieren könnte, aber doch schon ein erheblicher Eigenanteil im resultierenden Gesamtwerk drinstecken würde?
    * Und dann schliesslich die Schlußfrage in 2 Teilen a & b: Was, wenn der Blogautor tatsächlich nicht fotografieren, sondern
    (a) per Hand malen u/o zeichnen würde: Könnte man (in USA, DE, AU) ohne Abmahnangst ein GEMALTES BILD veröffentlichen, das erkennbar ein reales Gebäude in neuer Umgebung (zB auf einem anderen Planeten) zeigt?
    (b) per SOFTWARE (Photoshop, 3D-Modelling, etc) ein Bild eines Gebäudes erschaffen würde (Wohlgemerkt: NICHT ein vorhandes Foto einfach abkopieren, sondern eine neue Ansicht erschaffen, bei der man das Gebäude aber durchaus noch erkennen könnte)?

    Wow, ist doch ein langer Text geworden. Die detailierteren Fragen kamen mir erst mit dem Schreiben. Ich hoffe, dass sich hier jemand findet, der durchblickt und seine unverbindliche Meinung mitteilt.

    Danke im Voraus.
    Lutz
    Geändert von lutz (15.07.2016 um 01:21 Uhr)

  2. Neuer Benutzer
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    Standard AW: Panoramafreiheit bei Fotomontagen in DE, AU und USA

    Nachtrag:
    ok, ich habe mir meinen Fragenkomplex von gestern Nacht nochmals betrachtet, und denke, dass der Beitrag vielleicht etwas zu komplex und zu wirr geraten ist. Ich werde daher die Fragen noch mal zusammenfassen:

    1. Webseite in den USA:
    * Fotos, Zeichnungen und Gemälde von Gebäuden sind erlaubt, aber muss ich zwingend den Ort/Besitzer/Archtikekten angeben?
    * Sind Fotomontagen, Zeichnungen, Malereien oder digitale Veränderungen, die den Charakter des Gebäudes massgeblich verändern aber das Gebäude noch erkennbar lassen, gestattet?

    2. Webseite in DE u/o AU:
    * Fotos, Zeichnungen und Gemälde von Gebäuden sind erlaubt, aber muss ich zwingend den Ort/Besitzer/Archtikekten angeben?
    * Sind Fotomontagen, Zeichnungen, Malereien oder digitale Veränderungen, die den Charakter des Gebäudes massgeblich verändern aber das Gebäude noch erkennbar lassen, gestattet?

  3. Neuer Benutzer
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    Standard AW: Panoramafreiheit bei Fotomontagen in DE, AU und USA

    Hm, nach 4 Tagen noch keine Antwort? Nicht mal Teilantworten?

    @Moderation: Wurde die Thematik vielleicht von mir nicht allgemein genug formuliert, dass sich niemand an die Antworten traut?

    Sicher, ein komplexes Thema, aber es dürfte doch auch kein Exotenthema sein? Vielleicht kann jemand auch nur auf den DE/AU-bezogenen oder nur auf den USA-bezogenen Teil antworten?

  4. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Panoramafreiheit bei Fotomontagen in DE, AU und USA

    Zitat Zitat von lutz Beitrag anzeigen
    Angenommen, jemand hat eine private, nichtkommerzielle Webseite/Blog (Thema zB SciFi, komplett ohne Werbung), die entweder
    * englischsprachig und korrekterweise in den USA registriert ist (*.com)
    oder
    * deutschsprachig und in Deutschland oder Österreich registriert ist (*.de / *.at),

    und möchte dort unter anderem eigene kreative graphische Werke veröffentlichen.
    Nach Rechtsauffassung der deutschen Justiz unterliegt eine Website immer dann deutschem Recht, wenn sie

    a) einen Betreiber mit gewöhnlichem Wohn- oder Geschäftssitz in Deutschland hat

    oder

    b) sich in nennenswertem Umfang an deutsche User richtet, wovon im Regelfall z.B. immer ausgegangen wird, wenn sie deutschsprachig ist. (Ausnahmen sind denkbar, z.B. bei einer deutschsprachigen Website, die sich gezielt an User in den USA richtet, die dort die deutsche Sprache lernen, o.ä.)

    Ob "privat" oder "nichtkommerziell" ist urheberrechtlich nach deutschen Recht nicht von Belang. Ob .com oder .de ist egal, wo der Server steht ist egal.
    Manche dieser Werke wären vielleicht komplette Eigenschöpfungen (zB Computergrafiken, Space-Art, Raumschiffe, etc), andere Werke wären zB selbst gemachte Fotografien futuristisch aussehender, aber realer Gebäude von aussen, vielleicht zB aus Deutschland oder Österreich.

    Nach meiner Einschätzung, dh als jemand, der von Paragrafen kaum Ahnung hat, sollten beide Fälle unproblematisch sein. Ersteres (eigene Werke) sowieso, und zweiteres (Fotos realer Gebäude) wegen der Panoramafreiheit, die es in DE, AU und auch in den USA gibt, ebenso.
    Durchaus nicht so pauschal. Großer Irrtum.

    Die "Panoramafreiheit" des deutschen UrhG greift nur, wenn ein geschütztes Werk (z.B. Gebäude) von öffentlichem Grund aus und ohne technische Hilfsmittel wie Leitern, Drohnen etc. fotografiert wird. In den USA ist das wiederum völlig unerheblich, US-Urheberrecht kennt da keine Beschränkungen, aber es gibt eine ganze Reihe von Vorschriften der einzelnen Bundesstaaten und Gemeinden, die z.B. gewerbsmäßiges Fotografieren auf bestimmten Geländen verbieten oder von einer (kostenpflichtigen) Genehmigung abhängig machen. Das gilt z.B. für viele N.ational- und Staatsparks.

    * Müsste ein Seitenbetreiber, d.h. primär der Autor des entsprechenden Blog-Posts, dazuschreiben, wo das Gebäude steht und/oder gar den Namen des Architekten angeben?
    Nach deutschem Recht hat der Urheber einen Anspruch auf Urhebernennung (§13 UrhG). Das gilt für Zitate, es wäre für mich logisch, daß es für eine Nutzung aufgrund anderer "Schrankenrechte" genauso gilt.
    * Dazu ggf eine Zusatzfrage: Wenn in den USA ein selbstgemachtes Foto von einem Gebäude aus DE oder AU ohne dessen Location/Angabe des Bauherrn/Architekten? gepostet würde, müsste der US-Seitenbetreiber einen deutschen Anwalt fürchten?
    Was soll "in den USA gepostet" heißen? Wenn die Website von einem in Deutschland ansässigen Betreiber gemacht wird, unterliegt sie deutschem Recht. (US-Recht kann sie obendrein auch noch unterliegen, aber das ist dann eine andere Baustelle.)

    Wenn der Seitenbetreiber seine Sitz in den USA hat, unterliegt die Seite nicht deutschem Recht - es sei denn, sie richtet sich auch nicht unwesentlich an deutsche User.
    Wie sähe es bei Fotomontagen aus, wenn zB ein selbstgemachtes Foto eines realen Gebäudes auf die selbst kreierte Oberfläche eines fremden Planeten ”gephotoshopt” wird?
    Kann man nicht pauschal beantworten.
    Bei Zitaten oder Nutzung auf Grundlage der Panoramafreiheit darf das geschützte Werk nicht verändert (bearbeitet, verunstaltet) werden.
    Der Wikipedia-Artikel ( link: https://de.wikipedia.org/wiki/Panoramafreiheit
    dort unter 2.5.5 "Änderungsverbot" ) benennt zwar ein Veränderungsverbot für Deutschland aber hier irritiert mich, dass gleichzeitig eine Vervielfältigung mittels der Malerei erlaubt sei.
    Das ist schlicht Quatsch.
    Die Kopie eines Fotos durch Malerei z.b. ist eine Vervielfältigung im Sinne des UrhG, für die die einschlägigen Vorschriften gelten. Fotografische oder malerische Gestaltung bei der Abbildung eines Gebäudes ist allerdings weder "Bearbeitung" noch "Verunstaltung".

    Zulässig ist die "freie Benutzung" geschützter Werke zum Erschaffen eigener neuer Werke. (§24 UrhG)
    Voraussetzung dafür ist, daß der eigenschöpferische Anteil des neuen Werkes den Anteil des genutzten Werkes erheblich übersteigt. Wo die Grenze liegt, entscheiden im Streitfall die Gerichte. "Abmalen" z.B. ist keine "freie Benutzung".
    Selbst wenn ein begnadeter Künstler den Pinselstrich meisterhaft beherrscht, so sähe ein gemaltes Bild einer Gebäudefassade doch immer anders aus als das Original oder eine Fotografie.
    Für eine Vervielfältigung im Sinne des UrhG ist keineswegs eine 100prozentige Übereinstimmung erforderlich. "Plagiate" entstehen schon, wenn eine ausreichende Ähnlichkeit gegeben ist. Und "Bearbeitungen" geschützter Werke brauchen ebenfalls die Erlaubnis des Urhebers.
    * Dürften eingescannte Gebäudefotografien mit erheblichen Farbfehlern im Internet veröffentlicht werden?
    Mit Erlaubnis des Urhebers: ja. Ohne Erlaubnis des Urhebers: nur wenn die Schutzfrist schon abgelaufen ist.
    * Wären Fotomontagen (mit dem an sich unveränderten Gebäudeaussehen als Teil des Gesamtwerkes) tatsächlich verboten in USA, DE und AU?
    Kommt auf den konkreten Einzelfall an.
    * Was, wenn ein solcher Blogautor den FOTOausschnitt des Gebäudes derart digital verändern würde, dass man zwar das Gebäude noch grob erkennen und ggf identifizieren könnte, aber doch schon ein erheblicher Eigenanteil im resultierenden Gesamtwerk drinstecken würde?
    Kommt auf den konkreten Einzelfall an.
    * Und dann schliesslich die Schlußfrage in 2 Teilen a & b: Was, wenn der Blogautor tatsächlich nicht fotografieren, sondern
    (a) per Hand malen u/o zeichnen würde: Könnte man (in USA, DE, AU) ohne Abmahnangst ein GEMALTES BILD veröffentlichen, das erkennbar ein reales Gebäude in neuer Umgebung (zB auf einem anderen Planeten) zeigt?
    Ob Fotografie, Fotokopie, Scan, Abzeichnen, Abmalen, in eine Skulptur meißeln... all das sind Formen der Vervielfältigung und/oder Bearbeitung eines geschütztes Werkes, und dafür braucht es entsprechend den einschlägigen Gesetzes ggf. die Erlaubnis des Urhebers.
    (b) per SOFTWARE (Photoshop, 3D-Modelling, etc) ein Bild eines Gebäudes erschaffen würde (Wohlgemerkt: NICHT ein vorhandes Foto einfach abkopieren, sondern eine neue Ansicht erschaffen, bei der man das Gebäude aber durchaus noch erkennen könnte)?
    Vervielfältigung ist Vervielfältigung. Die kann erlaubt sein, die kann nicht erlaubt sein, daß kommt immer auf die Umstände des jeweiligen Einzelfalles an.
    Geändert von TomRohwer (24.07.2016 um 18:47 Uhr)
    Was ich schreibe, ist nicht als "Rechtsberatung im Einzelfall" zu verstehen.

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