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Thema: Recht am eigenen Bild

  1. crabman
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    Standard Recht am eigenen Bild

    Hallo,

    wenn man kleine Image-/Eventfilme produziert, was sollte man beachten, um die Persönlichkeitsrechte zu wahren? Die Meinungen im inet gehen stark auseinander..

    Beispiel 1: Man hat die mündliche Zusage des Veranstalters einen Musikworkshop filmen zu dürfen. Beide Seiten (Filmer und Veranstalter) ziehen einen Nutzen aus der Veröffentlichung des Filmes (YouTube & co.). Es gibt keine Entlohnung, die ganze Sache hat aber einen gewerblichen Charakter. Der Kameramann ist öffentlich präsent, keine Heimlichkeiten. Es werden gezielte Nahaufnahmen von Personen gemacht. Es sind minderjährige(!) Workshopteilnehmer anwesend.

    Beispiel 2: Man hat vom Besitzer die mündliche Erlaubnis eine Kneipe zu filmen. Entlohnung würde in Form von Naturalien erfolgen. Gewerblicher Charakter, keine Minderjährigen (unter 1, gezielte Nahaufnahmen, keine Heimlichkeiten, obwohl vielen Gästen wahrscheinlich aufgrund des Alkoholpegels nicht auffallen würde, wenn sie vor die Linse geraten.

    In beiden Fällen wäre das Einholen von Einverständnissen ein kaum zu bewältigender Aufwand.

    Wird zwischen Foto- und Filmarbeiten unterschieden? Was, wenn man mit einer DSLR filmt, die äußerlich vermuten ließe es würden Fotos gemacht?

    Vielen Dank!
    Gruß

  2. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Recht am eigenen Bild

    Zitat Zitat von crabman Beitrag anzeigen
    wenn man kleine Image-/Eventfilme produziert, was sollte man beachten, um die Persönlichkeitsrechte zu wahren?
    Die einschlägigen Gesetze, hier insbesondere das KUG, das das "Recht am eigenen Bild" regelt.

    Beispiel 1: Man hat die mündliche Zusage des Veranstalters einen Musikworkshop filmen zu dürfen.
    Der Veranstalter kann keine rechtsverbindlichen Erklärungen für die Teilnehmer abgeben.

    Es gibt keine Entlohnung, die ganze Sache hat aber einen gewerblichen Charakter. Der Kameramann ist öffentlich präsent, keine Heimlichkeiten. Es werden gezielte Nahaufnahmen von Personen gemacht. Es sind minderjährige(!) Workshopteilnehmer anwesend.
    Das wird in den meisten Fällen das Recht am eigenen Bild der Teilnehmer verletzten, zumindest wenn die Aufnahmen verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.

    Beispiel 2: Man hat vom Besitzer die mündliche Erlaubnis eine Kneipe zu filmen. Entlohnung würde in Form von Naturalien erfolgen. Gewerblicher Charakter, keine Minderjährigen (unter 1, gezielte Nahaufnahmen, keine Heimlichkeiten, obwohl vielen Gästen wahrscheinlich aufgrund des Alkoholpegels nicht auffallen würde, wenn sie vor die Linse geraten.
    Der Gastwirt kann keine rechtsverbindlichen Erklärungen für seine Gäste abgeben.

    In beiden Fällen wäre das Einholen von Einverständnissen ein kaum zu bewältigender Aufwand.
    Dann kann man nicht verbreiten oder öffentlich zur Schau stellen.

    Vorsicht übrigens: im Regelfall ist eine pauschale konkludente Einwilligung von Teilnehmern, z.B. durch die Teilnahme, rechtlich unwirksam. Es hilft auch nichts, z.B. auf die Eintrittskarte zu schreiben "Wenn Sie die Veranstaltung XYZ besuchen, erklären Sie sich einverstanden damit, blabla..."

    Wird zwischen Foto- und Filmarbeiten unterschieden?
    Nein.

    Wichtig dabei übrigens: heimliche Tonaufnahmen vom "nicht öffentlich gesprochenen Wort" sind im Regelfall eine Straftat, §201 StGB. Deshalb wird bei Drehs mit "versteckter Kamera" üblicherweise der Ton nachgesprochen oder untertitelt, wenn nicht hinterher eine Einwilligung eingeholt werden kann.

    (Die Einwilligung hinterher ändert übrigens überhaupt nichts an der Strafbarkeit der Tonaufnahme. Sie führt höchstens dazu, daß das Vorgehen nicht vom Aufgenommenen angezeigt wird.)
    Was ich schreibe, ist nicht als "Rechtsberatung im Einzelfall" zu verstehen.

  3. crabman
    crabman ist offline
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    Standard AW: Recht am eigenen Bild

    Hey Tom,

    vielen Dank für die ausführliche Antwort! Das klingt für mich so als wäre der einzig richtige Weg das Einholen der Erlaubnis eines jeden einzelnen, bei Minderjährigen der Erziehungsberechtigten.

    Genügt eine mündliche Zusage?

    Stimmt es, dass wenn die Gefilmten eine Entlohnung erhalten (in welcher Form auch immer), der Veröffentlichung nichts im Wege steht?

  4. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Recht am eigenen Bild

    Zitat Zitat von crabman Beitrag anzeigen
    Das klingt für mich so als wäre der einzig richtige Weg das Einholen der Erlaubnis eines jeden einzelnen, bei Minderjährigen der Erziehungsberechtigten.
    Das ist immer der sicherste Weg. Im übrigen hilft ein Blick ins KUG. Ein Event kann auch ein Ereignis der Zeitgeschichte sein, dann geht wieder mehr.

    Genügt eine mündliche Zusage?
    Ja, aber man dürfte im Streitfall in Beweisnöte kommen.

    Stimmt es, dass wenn die Gefilmten eine Entlohnung erhalten (in welcher Form auch immer), der Veröffentlichung nichts im Wege steht?
    Nein. Nicht so pauschal.

    "Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, daß er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt." (§22 KUG)

    Die Betonung liegt auf "im Zweifel". Eine Entlohnung ist ein Anhaltspunkt, daß eine Einwilligung gegeben wurde. Allerdings gilt die nicht unbeschränkt und unbegrenzt, und Minderjährige können selber solche Vereinbarungen überhaupt nicht wirksam abschließen, da hilft dann auch keine Entlohnung.

    "In welcher Form auch immer" wird gar nicht funktionieren, es muß schon eine adäquate Entlohnung sein, wenn das als Ersatz für eine ausdrückliche Einwilligung gelten soll - "der Abgebildete hat als Entlohnung einen Lolli erhalten" wird nicht laufen...
    Was ich schreibe, ist nicht als "Rechtsberatung im Einzelfall" zu verstehen.

  5. crabman
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    Standard AW: Recht am eigenen Bild

    Vielen Dank Tom!

    Ich habe den Eindruck in der Praxis wird das Recht am eigenen Bild regelmäßig verletzt.. Aber das sollte für niemanden ein Ansporn sein es gleichzutun.

    Bitte sei so gut und beantworte mir noch diese Frage:

    Wenn jemand ein Lokal filmt und von Gästen, die er in Nahaufnahme filmt eine schriftliche Erlaubnis bekommt und den Rest der Gäste nur beiläufig im Bild hat (z.B. durch einen Schwenk durch die Lokalität, wobei das Lokal im Mittelpunkt steht) oder der Rest der Gäste nicht zu identifizieren ist (unscharf oder nur Aufnahmen der Hände ohne markantes Merkmal), wäre er dann auf der rechtlich sicheren Seite?

    Gruß

  6. crabman
    crabman ist offline
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    Standard AW: Recht am eigenen Bild

    Sorry, ich nochmal..

    Wären bei Minderjährigen die Erlaubnis beider Erziehungsberechtigten vonnöten?

    Welchen Unterschied würde ein Ereignis der Zeitgeschichte machen?

    Danke!

  7. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Recht am eigenen Bild

    Zitat Zitat von crabman Beitrag anzeigen
    Wenn jemand ein Lokal filmt und von Gästen, die er in Nahaufnahme filmt eine schriftliche Erlaubnis bekommt und den Rest der Gäste nur beiläufig im Bild hat (z.B. durch einen Schwenk durch die Lokalität, wobei das Lokal im Mittelpunkt steht) oder der Rest der Gäste nicht zu identifizieren ist (unscharf oder nur Aufnahmen der Hände ohne markantes Merkmal), wäre er dann auf der rechtlich sicheren Seite?
    Wirf einfach mal einen Blick ins KUG und google ein bißchen nach der Rechtsprechung dazu.

    Personen, die nur "Beiwerk auf einer Übersichtsaufnahme" sind, haben kein "Recht am eigenes Bild", es sei denn, es würde ein schutzwürdiges Interesse dieser Personen verletzt.

    Allein schon die Frage, ob jemand auf so einer Aufnahme "Beiwerk" ist oder nicht, wird man nur im Einzelfall entscheiden können. Wenn allerdings vor der Aufnahme gesagt wird "Wir filmen hier den Herrn hier vorn, wer nicht mit ins Bild will, muß jetzt mal beiseite gehen", wird es u.U. als "konkludentes Einverständnis" gelten, wenn jemand dann doch partout im Bild stehen bleibt.
    Was ich schreibe, ist nicht als "Rechtsberatung im Einzelfall" zu verstehen.

  8. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Recht am eigenen Bild

    Zitat Zitat von crabman Beitrag anzeigen
    Wären bei Minderjährigen die Erlaubnis beider Erziehungsberechtigten vonnöten?
    Ja, da nach §1629 BGB das Kind (der Minderjährige) von beiden Eltern rechtlich vertreten wird.

    "Ein Elternteil vertritt das Kind allein, soweit er die elterliche Sorge allein ausübt oder ihm die Entscheidung nach § 1628 übertragen ist. Bei Gefahr im Verzug ist jeder Elternteil dazu berechtigt, alle Rechtshandlungen vorzunehmen, die zum Wohl des Kindes notwendig sind; der andere Elternteil ist unverzüglich zu unterrichten."

    Welchen Unterschied würde ein Ereignis der Zeitgeschichte machen?
    Den, das bei Aufnahmen von einem Ereignis der Zeitgeschichte Minderjährige genausowenig und genausoviel ein "Recht am eigenen Bild" geltend machen können wie Volljährige.

    Also zunächst mal: keinen.

    Man sollte aber davon ausgehen, daß die Rechtsprechung beim Stichwort "schutzwürdiges Interesse" bei Kindern und Jugendlichen die Hürde etwas niedriger hängt als bei Erwachsenen, wo diese Hürde ziemlich hoch ist.
    Was ich schreibe, ist nicht als "Rechtsberatung im Einzelfall" zu verstehen.

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