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Urheberrecht bei Kunstwerken behinderter Menschen

  1. Rommie
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    Standard Urheberrecht bei Kunstwerken behinderter Menschen
    Hallo Zusammen,

    ich habe eine Frage bezüglich des Urheberrechts und hoffe, dass mir jemand hier weiterhelfen kann. Es geht um folgenden Fall:
    Es geht um einen gemeinnützigen Verein, in dem Menschen mit und ohne Behinderungen Kunstwerke erstellen. Diese Kunstwerke werden dann in Ausstellungen ausgestellt. Im Rahmen eines Projekt sollen nun abfotografierte Abdrucke von vier geistig behinderten Menschen, die alle einen Vormund haben, auf Postkarten vervielfältigt werden.

    Meine Fragen hierzu:
    1.) Liegt das Urheberrecht hier bei den Künstlern mit Behinderung oder bestimmt in diesem Fall der gesetzliche Vormund?
    2.) Gilt das Urheberrecht auch (damit meine ich das Benennungsrecht etc), wenn die Kunstwerke an sich nicht mehr dem Künstler sondern dem Verein gehören?
    3.) Wie verhält es sich allgemein mit verkauften Kunstwerken und den Rechten des Urhebers? Muss der Urheber bei jeder Ausstellung und Vervielfältigung gefragt werden oder fällt dies unter Nutzungsrechte? Welche Rechte bleiben ihm?
    Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand weiterhelfen könnte! Vielen Dank!
    Viele Grüße, Rommie

  2. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Urheberrecht bei Kunstwerken behinderter Menschen
    Zitat Zitat von Rommie Beitrag anzeigen
    1.) Liegt das Urheberrecht hier bei den Künstlern mit Behinderung oder bestimmt in diesem Fall der gesetzliche Vormund?
    Das Urheberrecht liegt immer beim Urheber. Ein gesetzlicher Vormund könnte höchstens über die Verwertung des Urheberrechts entscheiden, in demselben Maße wie er auch über die Verwendung des Eigentums des Mündels entscheiden kann.
    2.) Gilt das Urheberrecht auch (damit meine ich das Benennungsrecht etc), wenn die Kunstwerke an sich nicht mehr dem Künstler sondern dem Verein gehören?
    Ja.
    3.) Wie verhält es sich allgemein mit verkauften Kunstwerken und den Rechten des Urhebers?
    Das kann man nicht in drei Sätzen sagen. Dazu bräuchte man ein Buch von mindestens 100 Seiten. Ganz grundsätzlich: Das Urheberrecht wird durch den Verkauf eines Originals nicht beeinträchtigt. Ein Nutzungsrecht wird durch den Verkauf nicht eingeräumt, sofern das nicht ausdrücklich vereinbart wurde. Der Eigentümer des Originals hat aber ein Ausstellungsrecht, sofern das nicht ausgeschlossen wurde.

    Welche Rechte bleiben ihm?
    Alle, die ihm das Gesetz gibt und auf die er nicht ausdrücklich verzichtet. Und das sind sehr viele. Der Urheber hat grundsätzlich übrigens auch Anspruch auf Beteiligung am Erlös, wenn der Weiterverkauf durch einen Händler erfolgt.

    Hier sind soviele Regelungen des UrhG betroffen, daß die Beratung durch einen auf Urheberrecht spezialisierten Anwalt sinnvoll ist.
    Was ich schreibe, ist nicht als "Rechtsberatung im Einzelfall" zu verstehen.

  3. Rommie
    Rommie ist offline
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    Standard AW: Urheberrecht bei Kunstwerken behinderter Menschen
    Zitat Zitat von TomRohwer Beitrag anzeigen
    Der Urheber hat grundsätzlich übrigens auch Anspruch auf Beteiligung am Erlös, wenn der Weiterverkauf durch einen Händler erfolgt.
    Hast Du hierfür einen Beleg aus dem Gesetzbuch? Ich bin nich wirklich fündig geworden, aber das würde mir sehr weiterhelfen!

  4. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Urheberrecht bei Kunstwerken behinderter Menschen
    Zitat Zitat von Rommie Beitrag anzeigen
    Zitat von TomRohwer
    Der Urheber hat grundsätzlich übrigens auch Anspruch auf Beteiligung am Erlös, wenn der Weiterverkauf durch einen Händler erfolgt.
    Hast Du hierfür einen Beleg aus dem Gesetzbuch? Ich bin nich wirklich fündig geworden, aber das würde mir sehr weiterhelfen!
    § 26 UrhG Folgerecht

    (1) Wird das Original eines Werkes der bildenden Künste oder eines Lichtbildwerkes weiterveräußert und ist hieran ein Kunsthändler oder Versteigerer als Erwerber, Veräußerer oder Vermittler beteiligt, so hat der Veräußerer dem Urheber einen Anteil des Veräußerungserlöses zu entrichten. Als Veräußerungserlös im Sinne des Satzes 1 gilt der Verkaufspreis ohne Steuern. Ist der Veräußerer eine Privatperson, so haftet der als Erwerber oder Vermittler beteiligte Kunsthändler oder Versteigerer neben ihm als Gesamtschuldner; im Verhältnis zueinander ist der Veräußerer allein verpflichtet. Die Verpflichtung nach Satz 1 entfällt, wenn der Veräußerungserlös weniger als 400 Euro beträgt.
    (2) Die Höhe des Anteils des Veräußerungserlöses beträgt:

    1. 4 Prozent für den Teil des Veräußerungserlöses bis zu 50.000 Euro,
    2. 3 Prozent für den Teil des Veräußerungserlöses von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
    3. 1 Prozent für den Teil des Veräußerungserlöses von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
    4. 0,5 Prozent für den Teil des Veräußerungserlöses von 350.000,01 bis 500.000 Euro,
    5. 0,25 Prozent für den Teil des Veräußerungserlöses über 500.000 Euro.

    Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.
    (3) Das Folgerecht ist unveräußerlich. Der Urheber kann auf seinen Anteil im Voraus nicht verzichten.
    (4) Der Urheber kann von einem Kunsthändler oder Versteigerer Auskunft darüber verlangen, welche Originale von Werken des Urhebers innerhalb der letzten drei Jahre vor dem Auskunftsersuchen unter Beteiligung des Kunsthändlers oder Versteigerers weiterveräußert wurden.
    (5) Der Urheber kann, soweit dies zur Durchsetzung seines Anspruchs gegen den Veräußerer erforderlich ist, von dem Kunsthändler oder Versteigerer Auskunft über den Namen und die Anschrift des Veräußerers sowie über die Höhe des Veräußerungserlöses verlangen. Der Kunsthändler oder Versteigerer darf die Auskunft über Namen und Anschrift des Veräußerers verweigern, wenn er dem Urheber den Anteil entrichtet.
    (6) Die Ansprüche nach den Absätzen 4 und 5 können nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.
    (7) Bestehen begründete Zweifel an der Richtigkeit oder Vollständigkeit einer Auskunft nach Absatz 4 oder 5, so kann die Verwertungsgesellschaft verlangen, dass nach Wahl des Auskunftspflichtigen ihr oder einem von ihm zu bestimmenden Wirtschaftsprüfer oder vereidigten Buchprüfer Einsicht in die Geschäftsbücher oder sonstige Urkunden so weit gewährt wird, wie dies zur Feststellung der Richtigkeit oder Vollständigkeit der Auskunft erforderlich ist. Erweist sich die Auskunft als unrichtig oder unvollständig, so hat der Auskunftspflichtige die Kosten der Prüfung zu erstatten.
    ( Die vorstehenden Bestimmungen sind auf Werke der Baukunst und der angewandten Kunst nicht anzuwenden.
    Was ich schreibe, ist nicht als "Rechtsberatung im Einzelfall" zu verstehen.

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