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EDV-technischer Nachweis bei Gerichtsverhandlung

  1. xxchris
    xxchris ist offline
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    Standard EDV-technischer Nachweis bei Gerichtsverhandlung
    Hallihallo,
    ich bin neu und habe ein Problem... Klar, sonst wäre ich wohl nicht hier angemeldet.

    Folgendes:
    Im März 2009 hatte ich einen "Razziaüberfall" von der Kripo. Morgens um 6 wurde man unsanft aus den Schlaf gerissen und auf einmal hielten sich in meiner 35 qm großen Wohnung 8 Personen (Kripo, schwarzuniformierte Bereitschaftsbeamte und eine Dame vom Ordnungsamt als "Zeuge") auf...

    Mir wurde vorgeworfen, ich hätte im Jahre 2007 auf einem Online-Auktionshaus (das heute nicht mehr existiert), 13 Artikel (Aufnäher und eine CD), welche gemäß §86a strafbar sind, zum Verkauf angeboten (ABER NICHT VERKAUFT!).

    Ich fiel aus allen Wolken, das man wegen sowas solch einen Aufwand betreiben muß. Der arme Steuerzahler...

    Über 500 CDs, 6 Ordner Kontoauszüge (gewerbliche!!) ab 2004 und Unterlagen, 2 Rechner und diverse Speichermedien wurden beschlagnahmt, samt Router, *****s und anderer Peripheriegeräte.

    Dann wurde es ruhig... Lange Zeit hörte ich nichts. Im September 2009 bekam ich ein Schreiben, ich dürfe mein Eigentum bei der Kripo abholen (komplett!!).
    Ein kurzes Verhör als Beschuldigter wurde mir auch "gewährt".

    Das Ergebnis:
    - Auf den Rechnern wurde nichts gefunden, das mich als "Täter" identifiziert.
    - In den Kontoauszügen konnten keine Zahlungen den Auktionen zugeordnet werden.
    - In meiner Wohnung wurde KEINES der gesuchten Beweisstücke gefunden, abgesehen von der CD, die als Einzelexemplar keinen Beweis darstellt.

    Von Rechtswegen her, müßte das Verfahren also eingestellt werden, oder??

    TROTZDEM
    erhielt ich im Frühjahr diesen Jahres einen Strafbefehl, welcher nachträglich zu einer Gerichtsvorladung umgeschrieben wurde. Mein Anwalt hat so ein Schreiben auch noch nie gesehen. In diesem ehemaligen Strafbefehl befand sich ein Zeile die mit TipEx übermalt war. Wenn man das Schreiben gegen das Licht hält, steht dort: Strafmaß in Höhe von 20 Tagessätzen a 50,- Euro (= 1000,- Euro Strafe).
    Da ich aber einen ALG2-Bescheid vorweisen kann, würde diese zu 11,- Euro pro Tag verrechnet werden (Gesamt: 220,- Euro Strafe).
    OK, plus Gerichtskosten wären das insgesamt rund 300,- Euro...
    Dafür gibts jetzt aber einen Gerichtstermin, wo alles nochmal verhandelt werden soll.
    Ein Kripo-Zeuge soll aus dem 900 Km entfernten Stuttgart anreisen!! Wobei ich mich Frage, was der "bezeugen" soll?

    ABER
    Ich bin unschuldig!
    Habe mit dieser Sache nichts zu tun! Warum soll ich die Strafe anerkennen?

    Da mein Anwalt mir einen Freundschaftsdienst als Vertretung erweist, er aber selber von EDV- / Onlinerecht keine Ahnung hat, suche ich anderswo Rat.

    Die Akteneinsicht ergab: Es gibt KEINE Beweise. Die Formulierungen der Staatsanwaltschaft sind im Konjunktiv (hätte, könnte, wollte, etc.).
    Alleine meine Mitgliedschaft in diesem Auktionshaus (oder besser gesagt: ein Account, der auf meinen Namen läuft und dem die Artikel bei der Datenbank-Auswertung durch die Kripo, zugeordnet wurden) reicht der STA schon aus.
    Dazu muß erwähnt werden, das der Razzia bei mir, eine Razzia bei dem Hoster 1und1 und dem Inhaber des Auktionshauses voraus gingen. Der Inhaber hatte alle Daten und die Webseite gelöscht. Der Kripo ist es aber gelungen, die Datenbank wiederherzustellen und begründet darauf die weiteren Ermittlungen gegen über 100 Account-Besitzer.

    Meine Hauptargumentation:
    In der Akte fehlt der EDV-technische Beweis, das ich der Täter bin! Es gibt keinen Nachweis das ich mich mit meiner IP-Adresse am Tage X über Provider XY bei dem Auktionshaus eingeloggt habe.

    Und daher meine Frage:
    Kann man ein Verfahren (wie oben beschrieben) bis vor Gericht bringen, wenn man keinen Nachweis hat, dass ich mich dort zu jenem Zeitpunkt angemeldet habe?

    Weitere Argumente wären:
    Account-Hijacking, was ja leider alltäglich geworden ist.
    Jemand hackt meinen Account stellt in meinem Namen diese Artikel ein, um entweder mich zu schädigen oder unter anderem Namen solche Sachen zu verkaufen (Schutz vor Strafverfolgung).

    Fehler bei der Auswertung von der Kripo.
    Der zuständige Beamte braucht in einer Datenbank von Millionen Bits und Bytes nur um eine Zeile oder ein Zeichen zu verrutschen, um irgendwelche Artikel dem falschen Account (von tausenden) zuzuordnen.


    Fakt ist, wenn Onlinekriminalität geahndet wird, bringt die Kripo fast immer eine IP-Beweiskette mit ins Spiel, um wenigstens den Ausgangspunkt (PC) der Straftat (und damit eine Adresse) zu haben. Das ist normal, ohne diesen rührt die Staatsanwaltschaft eigentlich keinen Finger.
    Nur in meinem Fall reicht es, der Accountinhaber zu sein und schon gehts vor Gericht. Obwohl ich mit der Sache nichts zu tun habe.
    Dieses Recht will ich erstreiten.

    Danke im Voraus für konstruktive Hilfe.

    Gruss
    Chris

  2. xxchris
    xxchris ist offline
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    Standard AW: EDV-technischer Nachweis bei Gerichtsverhandlung
    Mmh...
    Kann mir keiner helfen?

    Ich will doch nur wissen ob die das Verfahren ohne technischen Nachweis von Protokollen der Provider (IP-Adresse, Anmeldezeit, etc.) gegen mich aufrechterhalten können?!
    Denn ohne diesen Beweis wäre es doch schwer bis fast unmöglich mich als 100% Schuldigen zu ermitteln.
    Und im Zweifel für den Angeklagten, so heißt es doch...

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