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Abschluss eines Auftrags über Call Center Anruf

  1. Neuer Benutzer
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    Standard Abschluss eines Auftrags über Call Center Anruf
    Guten Tag,

    seit Juni 2009 wurden Person A 12,56 Euro belastet, weil diese angeblich ein T-Mobile Relax SMS 150 Paket bestellt habe, mit dem sie monatlich 150 SMS kostenfrei schicken kann.

    Das Problem ist, Person A hat dieses Paket gar nicht bestellt. Sie hat leider dies erst heute, 30. Nov festgestellt. Dies liegt daran, dass ihre Rechnungen ihr nicht mehr postalisch zugestellt werden, sondern über ihren online Zugang bei Rechnung Online. Da die Gebühren nur 12,56 Euro betragen, ist es ihr nicht früher aufgefallen.

    Nach der Feststellung hat Person A den Kundenservice angerufen. Die Call Center Bearbeiterin sagte ihr, sie hätte angeblich bei einem Telefonat von einem weiteren Call Center Mitarbeiter das Paket bestellt. Aber wieso sollte sie das Paket bestellen? Seit Beginn ihres Vertrages vor 1,5 Jahren hat sie noch nie mehr als 50 SMS pro Monat verschickt. Nun sollte sie ein Paket für 150 kostenlose SMS abgeschlossen haben? Das macht doch keinen Sinn!

    Sie hat sich mit der Leiterin des Service Centers verbinden lassen. Die Leiterin meinte, Person A wäre selber schuld, denn sie hätte früher die Rechnungen kontrollieren sollen. Aber warum auch? Sie ging doch davon aus, dass die Rechnungen in Ordnung sind und dass die Gesellschaft eine seriöse Firma sei. Und da sie Nichts bestellt habe, hat sie auch nicht extra nach zusätzlichen Kosten für das Paket geschaut. Zumal die Rechnungen sehr unübersichtlich aufbereitet sind.

    Sie findet das Ganze sehr unseriös und betrügerisch. Wie kann ein Vertrag bindend sein, wenn sie gar nichts unterschrieben hat? Ist sie dann verantwortlich dafür, gegen zusätzliche Kosten für Pakete zu prüfen, auch wenn sie die Pakete nie bestellt hat?

    Der Gesetzgeber muss doch einen Schluss damit finden, um Verbraucher zu schützen. Es kann nicht sein, dass eine Kündigung schriftlich eingereicht werden muss. Aber zusätzliche Kosten können einfach so belastet werden, weil angeblich Pakete telefonisch bestellt werden. Wohl gemerkt bei einem Telefonat, der von einem Call Center initiiert wurde.

    Was kann Person A hier machen? Hat sie recthlich gegen so eine große Firma überhaupt Chance?
    Geändert von joeytohch (30.11.2009 um 02:29 Uhr)

  2. Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Abschluss eines Auftrags über Call Center Anruf
    Erstmal vorab: Die Person scheint die Welt irgendwie durch eine rosarote Brille zu sehen - oder glaubt noch an das Gute in der Wrtschaft Wenn sie diese Haltung ablegt und davon ausgeht, das Geld die Interessen bestimmt, verstehst die Person das folgende vielleicht besser

    Der Gesetzgeber muss doch einen Schluss damit finden, um Verbraucher zu schützen.
    Der Gesetzgeber hat scho0pn genuig getan, und das einige die bestehenden Regelungen als Zwangsjacke sehen, kann ich gut verstehen. Das Problem liegt nicht beim Gesetzgeber, sondern bei den menschen. Es gibt genügend Regelungen sich zu schützen, noch mehr "Rechtsstaat" würde niemandem gut tun.

    Es kann nicht sein, dass eine Kündigung schriftlich eingereicht werden muss. Aber zusätzliche Kosten können einfach so belastet werden, weil angeblich Pakete telefonisch bestellt werden. Wohl gemerkt bei einem Telefonat, der von einem Call Center initiiert wurde.
    Das verlangt auch das Gesetz nicht. Solche Vereinbarungen geht man selbst mit den Unternehmen ein. Der Satz "drum prüfe wer sich ewig bindet" hat nach wie vor Relevanz. Wer zustimmt, dass er Kündigungen schriftlich einreicht, kann sich hinterher nicht aufregen. der Gesetzgeber gewährt eine Vertragsfreiheit, niemand muss mit irgendjemanden einen Vertrag eingehen. Tut er es doch, ist das seine Sache, auch seine Pflicht, die Bedingungen zu prüfen.
    Hat sie recthlich gegen so eine große Firma überhaupt Chance?
    Auch das zeigt eine ziemlich "duckmäuserische" Haltung. Warum soll der Staat hier noch mehr machen? Er hat alle sinnvollen Werkzeuge geschaffen, auch gegen große Firmen vorzugehen. Nur wer dann glaubt, "ich kann das doch nicht" hat keinen Grund, noch mehr vom Gesetzgeber zu fordern ...

    Eigentlich wäre das genug der Kritik an dem Verhalten der Person, nur leider ist es das nicht, denn die person hat zu vieles falsch gemacht, als das sie jetzt einen grund hätte zu fordern, der Staat und der Gesetzgeber solle sich jetzt um ihre Fehler kümmern ... aber kommen wir jetzt zum Thema.

    Die Call Center Bearbeiterin sagte ihr, sie hätte angeblich bei einem Telefonat von einem weiteren Call Center Mitarbeiter das Paket bestellt....Wohl gemerkt bei einem Telefonat, der von einem Call Center initiiert wurde.
    Besonders bei den großen Firmen, werden solche "Gespräche" nicht mehr von den Firmen geführt, sondern beauftragten Firmen (die meistens nicht mal Ahnung haben, wovon sie reden). Und diese Firmen werden provosionsabhängig bezahlt. Denen ist das "seriöse" der großen Firma (ihres Auftraggebers) völlig gleich. Bei denen zählt nur der Abschluss. Deswegen sollte man bei solchen Gesprächen niemals etwas sagen, wenn man das Angebotene nicht wirklich will. Es hat sich bewährt, solche Gespräche sofort abzuwürgen oder einfach aufzulegen. Anderenfalls kannn es sehr schnell passieren, dass man hier Verträge abschließt. Auch wenn der Gesetzgeber hier schon einige verschärfte Regelungen für die Anbieter getroffen hat (soviel zu dem Thema, der Gesetzgeber tut nichts) muss man seine Rechte aber auch wahrnehmen. Wenn ein Vertrag auf diese Art und Weise abgeschlossen wird, kann man da sehr schnell raus - allerdings nur innerhalb einer bestimmten Frist. Alles andere wäre auch Schwachsinn, da sonst keinerlei Sicherheit für das Unternehmen (vor allem seriöse) möglich wäre.Und dabei sind wir beim nächsten Punkt: Man muss die se Fristen auch einhalten.
    Sie hat leider dies erst heute, 30. Nov festgestellt. Dies liegt daran, dass ihre Rechnungen ihr nicht mehr postalisch zugestellt werden, sondern über ihren online Zugang bei Rechnung Online. Da die Gebühren nur 12,56 Euro betragen, ist es ihr nicht früher aufgefallen.
    Die Pflicht zur Prüfung der Rechnungen kann aber keiner abnehmen. Und wer macht das nicht, den Bon im Laden zu prüfen? Warum tut man es nicht bei Rechnungen. Okay, wenn man schon mehrere Hundert € bezahlt, fallen 12 auch nicht mehr auf, aber wenn 12 € die Hälfte der Rechnugn ist, warum prüft man dann nicht. Übersichtlichkeit ist keine Ausrede (so kommt es mir vor), es ist einfach nur Faulheit. Denn auch hier hat der Gesetzgeber genüend Regelungen zum Schutz des Verbrauchers: Der Rechnungssteller muss eine angemessene Prüfungsfrist gewähren. Nur wenn die Person diese ungenutzt vertsreichen lässt, was soll der Gesetzgeber hier tun? Und da es der Person jetzt aufgefallen ist, hätte das auch schon vor Monaten auffallen können, die Art und Weise der Mitteilung kann es also nicht gewesen sein.
    Seit Beginn ihres Vertrages vor 1,5 Jahren hat sie noch nie mehr als 50 SMS pro Monat verschickt. Nun sollte sie ein Paket für 150 kostenlose SMS abgeschlossen haben? Das macht doch keinen Sinn!
    Dann macht es auch keinen Sinn, das das nicht eher aufgefallen ist.
    Nach der Feststellung hat Person A den Kundenservice angerufen.
    Auch das war ein Fehler. Denn, wie bereits gesagt, sind Callcenter meistens Firmen, die keinen Plan haben. Abgesehen davon, dass eine Kräher der anderen kein Auge aushackt. In solchen Fällen gibt es nur einen möglichen Weg: Einschreiben (Rückschein) an das betreffende Unternehmen mit genauer Schilderung des Sachverhalts und Anfechtung des Vertrags. Das kann auch noch später erfolgen, nur wird der Nachweis dann etwas schwieriger. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass auch als stur bekannte Unternehmen bei genügend sicherer Schilderung schnell klein beigeben. Nur man muss eben das richtige tun, und sich nicht abspeisen lassen. Wer seine vom Gesetzgeber gegebenen Möglichkeiten nicht nutzt, braucht auch nicht mehr verlangen, denn das würde er auch nicht nutzen ...
    Meine Beiträge sind immer (auch wenn es nicht ausdrücklich dabei steht) meine persönliche Meinung und müssen (und werden) nicht immer mit der aktuellen Rechtssprechung oder der Lehrmeinung im Jurastudium / anderen rechtswissenschaftlichen Studiengängen übereinstimmen. Sie sind lediglich meine Auslegung von mir bekannten Gesetzen und Urteilen.

  3. Neuer Benutzer
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    Standard AW: Abschluss eines Auftrags über Call Center Anruf
    Hi aaky,

    vielen Dank für deine sehr ausführliche Antwort. Und für die durchaus berechtigten Anmerkungen bzgl. der Weltanschauung durch die rosarote Brille.

    Nur, die betroffene Person ist mein 63-Jähriger Gastvater, der sein Leben lang als "Kraftarbeiter" nicht unbedingt den Bezug zum Mobil und zum Internet hat. Kämpft immer noch mit der online Welt und das war sein erstes Handy überhaupt. Daher hat er alles denkliches falsch gemacht.

    Ich hätte ihm evtl. auch so aufklären können. Aber vieles wovon du geschrieben hast, wusste ich echt auch net mal! Aber danke. Nun sind wir beide schlauer geworden. Auch wenn um 60 € ärmer. Aber dies verkraften wir schon.
    Geändert von joeytohch (03.12.2009 um 10:58 Uhr)

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